DailyReport Outlook - - - Englische Testversion


Am Freitag starten die Energiemärkte bislang leicht im Plus. Vor allem der TTF Gas Frontmonat legt mit 1,4 Prozent auffällig stark zu, was nicht zu den zuletzt milderen Wetterprognosen passt. Hier sind vielmehr geopolitische Sorgen die treibende Kraft. Diese scheinen aber schon etwas nachzulassen, im frühen Handel standen die Kurse noch höher. Der Fokus dürfte am heutigen Handelstag und insbesondere angesichts des bevorstehenden Wochenendes auf dem USA-Iran-Konflikt liegen. Der deutsche Einkaufsmanagerindex sendet zaghafte Erholungssignale, auch für die Industrie.
Bullishe Faktoren
US-Angriff auf Iran am Wochenende?
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran in den laufenden Atomverhandlungen eine Frist von etwa zehn bis fünfzehn Tagen gesetzt und vor weitreichenden Konsequenzen gewarnt, falls es zu keiner Einigung kommt. Was dieses Ultimatum wert ist, ist schwer einzuschätzen. In den zurückliegenden Handelskonflikten hat er Ultimaten oft verlängert. Andererseits hat er sich militärisch in Venezuela oder letztes Jahr beim Angriff auf die iranischen Atomanlagen entschlossen gezeigt. Zudem stellte er vor dem letzten Angriff auf den Iran auch ein Ultimatum, das noch lief, als die USA zusammen mit Israel angriffen. Diese beiden Aktionen erfolgten am Wochenende – vermutlich aus Rücksicht auf den Börsenhandel.
Grundsätzlich wäre bei einem militärischen Konflikt davon auszugehen, dass beide Seiten die Energieinfrastruktur schonen. Sollten sich die iranischen Führer aber zu sehr in die Enge getrieben fühlen, wären auch Angriffe auf die Energieanlagen in der Region oder Tankschiffe denkbar.
Weiterer ungeplanter Ausfall und Verzögerungen in Norwegen
Es liegt weiter ein ungeplanter Ausfall am norwegischen Ormen Lange Gasfeld vor. Ein Kompressorfehler sorgt für einen Ausfall von 11,8 mcm/d bis zum 21.2. Dazu kommt ein weiterer ungeplanter Ausfall am Oseberg-Gasfeld, wodurch 7,7 mcm/d bis voraussichtlich 21.2. ausfallen. Zudem finden geplante Wartungen am Åsgard-Feld statt, wodurch weitere 10,9 mcm/d ausfallen. Diese Wartungen sollen nun statt wie geplant bis zum 23.2. deutlich länger dauern und erst am 2.3. abgeschlossen sein. Die Wartungsausfälle nehmen zu, und bei Åsgard scheint es Verzögerungen zu geben. Die heutigen Exportnominierungen betragen daher nur noch 318,2 mcm/d (Vortag: 326,3 mcm/d, Durchschnitt letzte 7 Tage: 329,3 mcm/d). In den nächsten Wochen stehen einige weitere geplante Wartungen an, was gegen Ende der Heizsaison normal ist.
Einkaufsmanagerindex der Industrie über 50er-Marke
Der deutsche Einkaufsmanagerindex (Gesamtindex, PMI) ist von 52,1 Punkten im Januar auf 53,1 im Februar gestiegen und hat damit die Erwartungen (52,3) übertroffen. Der PMI des verarbeitenden Gewerbes stieg auf 50,7 Punkte und damit erstmals seit Juni 2022 über die 50-Punkte-Marke, die Wachstum signalisiert. Um 10:00 Uhr folgen die PMI-Daten für die EU. Der deutsche Erzeugerpreisindex ist im Januar um 3 Prozent zurückgegangen (Erwartung: 2,1 Prozent). Hauptgrund waren gesunkene Energiekosten.
Bearishe Faktoren
Wärmere Temperaturprognosen bis Mitte März
Die Temperaturprognosen für Deutschland zeigen sich ab dem 22.2. etwas wärmer als noch gestern vorhergesagt. Der Zeitraum zwischen dem 22. und 26.2. liegt mit Werten zwischen 8 und 9,5 Grad Celsius deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 4,2 Grad Celsius. Nach dieser warmen Periode kehren die Vorhersagen ab dem 1.3. wieder in Richtung des langjährigen Mittelwerts zurück. Die Langfristprognose EC-46 hat sich gestern für die erste Märzhälfte nach oben verschoben und zeigt nun überwiegend überdurchschnittliche Werte in diesem Bereich.
Hohes Windaufkommen in den nächsten Tagen
Die neuesten Wettermodellläufe bleiben für die kommenden Tage wenig verändert. Ab morgen ist mit einer hohen Windeinspeisung von 33 bis 35 GW zu rechnen. Am 24.2. geht die Einspeisung wieder auf das langjährige Mittel zurück und liegt bei rund 17 GW. Nach dieser kurzen Phase auf Normalniveau steigt die Windleistung erneut deutlich an: Die aktuellen Prognosen erwarten am 27.2. rund 31 GW, deutlich mehr als in der Vortagesprognose (23 GW). Für die erste Märzwoche werden leicht unterdurchschnittliche Werte um 15 GW prognostiziert.
Ausspeicherdynamik wird nachlassen
Die Ausspeicherungsdynamik hat sich zur Wochenmitte angesichts kälterer Temperaturen verstärkt. Am Mittwoch, den 18. Februar 2026, wurden netto 6.032,1 GWh ausgespeichert und damit mehr als am Vortag (5.832,9 GWh). Angesichts der milden Temperaturprognosen für die nächste Woche gehen wir von einer deutlichen Verlangsamung der Ausspeicherungen aus.
Neutrale Faktoren
Keine Überraschungen bei den Speicherständen
Die Gasspeicherstände sanken am Mittwoch (18.2.) um 0,5 Prozentpunkte auf 32 Prozent, nachdem sie am Dienstag noch bei 32,5 Prozent gelegen hatten. Im Vergleich zur Vorwoche (11.2.26) liegt die aktuelle Ausspeicherung deutlich über dem damaligen Niveau von minus 4.716,2 GWh. Die Speicherstände waren mit 35,2 Prozent ebenfalls spürbar höher. Gegenüber dem Vorjahr (18.2.25) bleibt der Rückstand klar ausgeprägt: Damals lag der Füllstand bei 42,6 Prozent, womit das aktuelle Niveau rund 10,6 Prozentpunkte darunter liegt. Wir sehen diese Daten mittlerweile als neutral an, denn die Marktteilnehmer haben die niedrigen Speicherstände nun sicherlich verinnerlicht. Dafür dürften aber Störungen auf der Angebotsseite (norwegische Wartungen, LNG) umso stärker ins Gewicht fallen.
Politische Unsicherheit für Euro, ETS und Strommarkt
EZB-Chefin Lagarde bleibt nach eigenen Aussagen doch bis zum Ende ihrer Amtszeit im Amt. Dies erklärte sie in einem Interview mit dem Wall Street Journal. Zuvor hatte die Financial Times darüber berichtet, dass Lagarde vorzeitig ausscheiden könnte, um noch vor den französischen Präsidentschaftswahlen im April 2027 eine Neubesetzung zu ermöglichen. Daraufhin wurde die politische Unabhängigkeit der EZB angezweifelt. Angesichts der zahlreichen Wahlen in Deutschland und auch in Frankreich in den nächsten Monaten zeigt der Vorfall, dass die Nervosität in politischen Kreisen zuzunehmen scheint. Vor allem die Wahlen in Frankreich werfen ihre Schatten voraus. Nicht nur in Sachen Euro, auch beim Emissionshandel oder dem gemeinsamen europäischen Strommarkt droht unter einer neuen französischen Präsidentin (oder Präsidenten) aus dem rechten Lager erhöhte Unsicherheit.
Fazit
Da sich die kurzfristigen fundamentalen Rahmenbedingungen mit nochmals milderen Temperaturprognosen und einer windreichen nächsten Woche entspannt zeigen, fallen die kleineren norwegischen Wartungsverzögerungen nicht allzu sehr ins Gewicht. Allerdings stehen bald weitere Wartungen auf dem Plan und angesichts der niedrigen Gasspeicherfüllstände dürfte die Nervosität bei Störungen in diesem Jahr besonders groß ausfallen.
Das gleiche gilt natürlich für die LNG-Lieferungen, womit wir bei der Straße von Hormus bzw. dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran sind. Da Trump seine letzten Militäraktionen jeweils am Wochenende startete, ist die Anspannung trotz seiner noch laufenden Ultimaten vor dem anstehenden Wochenende besonders groß. Wir bleiben daher bullish für Gas und Erdöl. Sollte ein Militärschlag am Wochenende tatsächlich erfolgen, hängt viel davon ab, ob es ein kurzer präziser Angriff ist oder eine wochenlange Militäraktion. Im vergangenen Jahr stiegen die Öl- und Gasnotierungen kurz vor dem US-Angriff auf den Iran, fielen nach dem kurzen Angriff auf die iranischen Atomanlagen aber rasant, als klar wurde, dass der Iran nur zögerlich reagieren würde und die Sache damit schnell erledigt war. Dieses Mal könnten die USA aber die Führung des Iran und die Revolutionsgarden ins Visier nehmen, es würde also um den Fortbestand des Regimes gehen. Eine weitaus komplexere Situation, als die Bombardierung von Bunkern in den Bergen.
Die EUAs sehen wir aufgrund des klimapolitischen Umfelds weiter schwächer und Strom in dieser Gemengelage neutral.
Hedging View
TTF Gas Cal 27: Der langfristige Abwärtstrend bei 27,40 Euro/MWh wurde am Donnerstag getestet. Gelingt der Ausbruch über diesen langfristigen mehrfach bestätigten Abwärtstrend (27,4 Euro/MWh) und gelingt ein Anstieg über 28 Euro/MWh, stellt dies ein Kaufsignal in Richtung 29 Euro/MWh dar. Die Dreiecksformation wäre bullish aufgelöst und der grüne Aufwärtstrend bei derzeit 26 Euro/MWh setzt sich durch. Der Bereich rund um die 26-Euro-Marke (Polaritätswechselzone) erscheint für Hedging-Aktivitäten weiterhin prädestiniert (hohe Hedge-Quote).
Strom Cal 27 Base: Anfang der Woche kam zur Ausbildung einer High-Wave-Kerze, die erste Stabilisierungsversuche offenlegte. Am Mittwoch wurde das Hoch der High-Wave-Candle (27,22 Euro/MWh) dynamisch überwunden und damit ein Candlestick-Kaufsignal generiert. Zur Eröffnung am Donnerstag steigt der Strom-Future über die psychologische Marke von 80 Euro/MWh an und testet den steilen rot gestrichelten Abwärtstrend bei 80,54 Euro/MWh. Oberhalb von rund 81 Euro/MWh hellt sich das Chartbild zunehmend weiter auf und ein Vorstoß bis zur Polaritätswechselzone bei 84 Euro/MWh erscheint denkbar. Die Indikatoren-Konstellation stellt sich bullish dar.
EUA-Dez-26-Future: Kurzfristig scheint sich eine technische Erholung zu etablieren, indem der Kurs vom Tief bei 68,11 Euro/t CO2 nach oben abdreht. Aus Sicht einer Fibonacci-Analyse stellt das 23,6%-Retracement bei 73,45 Euro/t CO2 einen ersten Widerstand dar, gefolgt von 77 Euro/t CO2 (38,2%-Retracement) und knapp 80 Euro/t CO2. Hier existiert eine starke Widerstandszone aufgrund des 50%-Retracements (79,93 Euro/t CO2) mit samt psychologischer 80-Euro-Marke und 200-Tage-Linie (80 Euro/t CO2). Der überverkaufte RSI beginnt nach oben zu drehen und steigt über 30 Zähler an, was eine Fortsetzung der Erholung begünstigt.

Unser Analyse-Team
.jpg)
.jpg)
.jpg)
