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Am Freitag warten die Marktteilnehmer auf die anstehenden Verhandlungen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zwischen der US-Delegation und Vertretern des Iran. Die Straße von Hormus bleibt de facto geschlossen, trotz der vermeintlichen Einigung auf eine begrenzte Öffnung während der zweiwöchigen Feuerpause. Trump warf dem Iran vor, einen „sehr schlechten Job“ bei der Öffnung zu machen, und bezeichnete das Vorgehen als Verstoß gegen die Vereinbarung. Zudem warnte er Teheran davor, Gebühren von Tankern zu erheben, und forderte eine sofortige Einstellung dieser Praxis. Die Gas- und Stromkontrakte handeln am Freitagmorgen gegen 9:30 Uhr etwas fester.
Bullishe Faktoren
Ost-West-Pipeline beschädigt
Saudi-Arabiens Ölproduktionskapazität ist infolge jüngster Angriffe auf Produktionsstätten und Raffinerien um rund 600.000 Barrel pro Tag gesunken. Zusätzlich hat ein Angriff auf eine Pumpstation die Kapazität der strategisch wichtigen Ost-West-Pipeline um 700.000 Barrel pro Tag reduziert. Die rund 1.200 Kilometer lange Pipeline, die normalerweise 5 bis 7 Millionen Barrel täglich unter Umgehung der Straße von Hormus zum Roten Meer transportiert, ist damit die zweite zentrale Exportroute, die durch den Konflikt beeinträchtigt wird.
Wind- und PV-Ausblick bleibt schwach
Ab Sonntag liegen die Windprognosen für den restlichen Monat unter dem langjährigen Mittelwert von rund 13 GW. Besonders windarm zeigt sich der Zeitraum vom 15. bis 18.4. mit erwarteten Einspeisungen zwischen 4 und 6 GW. Ähnlich sieht es bei der PV-Einspeisung aus. Am morgigen Samstag wird mit 16 GW eine überdurchschnittlich hohe PV-Leistung erwartet. Von Sonntag bis zum 14.4. fällt die Einspeisung jedoch deutlich unter den langjährigen Mittelwert von 12 GW und liegt voraussichtlich nur bei rund 5 bis 8 GW.
Wartungsbedingte Exporteinschränkungen in Norwegen
Die Gasflüsse aus Norwegen geben aktuell nach. Die Exportnominierung für den heutigen Tag liegt bei 320,7 mcm/d nach 325,3 mcm/d am Vortag. Der Rückgang ist auf den Beginn mehrerer geplanter Wartungsarbeiten zurückzuführen: Seit gestern laufen Arbeiten am Gasfeld Troll (minus 14,9 mcm/d bis 16.4.), heute beginnen Wartungen am Gasfeld Åsgard (minus 8,6 mcm/d bis 12.4.) sowie an der Verarbeitungsanlage Kårstø (minus 6,6 mcm/d bis 11.4.). Insgesamt belaufen sich die aktuellen Ausfälle auf 30,1 mcm/d. In den kommenden Tagen stehen weitere umfangreiche Wartungsarbeiten bevor, u.a. ab dem 11.4. an der Verarbeitungsanlage Kårstø (minus 12,6 mcm/d bis 29.4.), ab dem 16.4. an der Verarbeitungsanlage Kollsnes (minus 36,0 mcm/d bis 7.5.) und eine weitere Wartung am Gasfeld Troll (minus 20,5 mcm/d bis 20.4.). Im Wochenvergleich liegt die Nominierung mit 320,7 mcm/d rund 6,6 Prozent unter dem Niveau der Vorwoche. Auch gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein Minus von 3,8 Prozent.
Bearishe Faktoren
Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon möglich
Die USA vermitteln offenbar direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon, die nächste Woche in Washington stattfinden sollen. Netanjahu sieht darin eine Chance, über die Entwaffnung der Hisbollah und friedliche Beziehungen zu verhandeln. Der Libanon stellt jedoch einen Waffenstillstand als Vorbedingung, und offiziell bestätigt haben beide Seiten die Gespräche bislang nicht.
Woodside verschifft dritte LNG-Ladung nach Zyklon
Woodsides North West Shelf LNG-Projekt in Westaustralien hat neun Tage nach dem Neustart die dritte Ladung verschifft. Die Hafenbehörde Pilbara Ports hat die Inspektionen im Hafen von Dampier nach dem schweren tropischen Zyklon Narelle abgeschlossen, womit der Betrieb wieder vollständig aufgenommen werden kann.
Warmer April voraus
Die kommenden Wochen fallen überdurchschnittlich warm aus, mit Temperaturen zwischen 10 und 14 Grad Celsius. Erst gegen Monatsende bewegen sich die Prognosen wieder in Richtung des Klimamittels von rund 10 Grad Celsius.
Speicherfüllstände steigen
Die europäischen Gasspeicher setzen die Einspeicherung fort. Am Mittwoch wurden EU-weit 1.724 GWh/Tag eingespeichert, nach 1.785 GWh/Tag am Vortag und 1.630 GWh/Tag Ausspeicherung am Mittwoch der Vorwoche. Die Speicherstände stiegen um 0,15 Prozentpunkte auf 28,92 Prozent (EU), rund 6,1 Prozentpunkte unter Vorjahr. In Deutschland wurden 424 GWh/Tag eingespeichert, die Füllstände stiegen um 0,16 Prozentpunkte auf 23,04 Prozent (DE), rund 6,3 Prozentpunkte unter Vorjahr. Während im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt noch ausgespeichert wurde, läuft die Einspeicherung in diesem Jahr bereits. Allerdings bleibt der Rückstand der Speicherstände zum Vorjahr weiterhin erheblich.
Neutrale Faktoren
Verhandlungen in Islamabad, Ausgang offen
In Islamabad werden am Samstag Delegationen der USA und des Iran zu Gesprächen über eine dauerhafte Waffenruhe erwartet. Die US-Seite wird von Vizepräsident Vance sowie den Sondergesandten Witkoff und Kushner angeführt. Die Aussichten sind jedoch getrübt: Der Iran blockiert weiterhin die Straße von Hormus und erhebt Gebühren für die Durchfahrt, was Trump scharf kritisiert. Gleichzeitig stellen Israels Angriffe auf den Libanon die Feuerpause grundsätzlich infrage. Irans Präsident Peseschkian erklärte Verhandlungen unter diesen Umständen für sinnlos.
Trump erwägt Abzug von US-Truppen aus Europa
US-Präsident Trump hat mit Beratern über einen möglichen Abzug von US-Truppen aus Europa beraten. Hintergrund ist sein Unmut über die aus seiner Sicht mangelnde Unterstützung der NATO-Verbündeten bei der Sicherung der Straße von Hormus sowie der Widerstand gegen die Übernahme Grönlands. Eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen, konkrete Planungen wurden nicht angewiesen. Betroffen wären potenziell über 80.000 US-Soldaten in Europa, davon mehr als 30.000 in Deutschland.
Zweitägige Waffenruhe in der Ukraine
Russlands Präsident Putin hat eine zweitägige Waffenruhe zum orthodoxen Osterfest angekündigt, die am 11. April um 16 Uhr beginnen und bis Ende des 12. April gelten soll. Der ukrainische Präsident Selenskyj hat der Feuerpause zugestimmt und betont, die Menschen bräuchten ein Osterfest ohne Bedrohungen. Es handelt sich um eine der seltenen beidseitigen Waffenruhen seit Beginn des Konflikts.
Parlamentswahlen in Ungarn
Am Sonntag wählt Ungarn ein neues Parlament. In Umfragen liegt die oppositionelle Tisza-Partei unter Péter Magyar mit rund 49 Prozent vor Fidesz/KDNP mit etwa 41 Prozent. Energiepolitisch ist die Wahl relevant, da Russland Hauptlieferant Ungarns ist und ein Regierungswechsel den Kurs gegenüber Moskau und der EU grundlegend verändern könnte.
Fazit
Die Entspannung an den Energiemärkten steht weiterhin auf wackligen Beinen. Zwar beginnen am Samstag in Islamabad die mit Spannung erwarteten Gespräche zwischen den USA und dem Iran, doch die Vorzeichen sind alles andere als ermutigend: Der Iran blockiert weiterhin die Straße von Hormus, erhebt Gebühren für die Durchfahrt und Irans Präsident Peseschkian hat Verhandlungen angesichts der israelischen Angriffe auf den Libanon für sinnlos erklärt. Fundamental hat sich an der Versorgungslage wenig verändert. Die Straße von Hormus bleibt für LNG-Tanker faktisch geschlossen, Saudi-Arabiens Exportkapazitäten sind durch Angriffe auf Produktionsanlagen und die Ost-West-Pipeline zusätzlich eingeschränkt, und ein Neustart der katarischen LNG-Produktion dürfte ohne belastbare Sicherheitslage noch Wochen entfernt sein. Über das Wochenende steigt das Risiko für überraschende Entwicklungen in beide Richtungen: Ein Durchbruch in Islamabad könnte die Risikoprämie weiter abschmelzen lassen, ein Scheitern der Gespräche oder eine erneute Eskalation könnte die Preise schnell wieder nach oben treiben. Der Markt geht mit erhöhter Unsicherheit ins Wochenende.
Hedging View
TTF Gas Cal 27: Mit der Ankündigung eines zweiwöchigen Waffenstillstands ist der TTF Gas Cal 27 Future am Mittwoch bis auf 35,15 Euro/MWh im Tagestief gefallen. Die Waffenruhe steht jedoch auf wackligen Beinen, weshalb die Abwärtsbewegung nicht fortgesetzt wurde. Abhängig von der weiteren Entwicklung und insbesondere dem Verlauf der Gespräche in Islamabad über das Wochenende werden die Notierungen entsprechend reagieren. Die Lage bleibt vorerst fragil, sodass sich die kräftigen Preisrücksetzer auch als Kaufgelegenheit anbieten. Dafür bietet sich der Bereich oberhalb des Reaktionshochs vom 3.3. bei 33,52 Euro/MWh an. Darunter kann der Bereich bei 30,48–30 Euro/MWh aus der 200-Tage-Linie und der psychologischen Marke für Hedging-Aktivitäten in Erwägung gezogen werden.
Strom Cal 27 Base: Mit der Ankündigung eines zweiwöchigen Waffenstillstands ist das Strom Cal 27 Base am Mittwoch bis auf 87,06 Euro/MWh im Tagestief gefallen. Die Waffenruhe steht jedoch auf wackligen Beinen, weshalb die Abwärtsbewegung nicht fortgesetzt wurde. Abhängig von der weiteren Entwicklung und insbesondere dem Verlauf der Gespräche in Islamabad am 10. April werden die Notierungen entsprechend reagieren. Die Lage bleibt vorerst fragil, sodass sich die kräftigen Preisrücksetzer auch als Kaufgelegenheit anbieten. Der Jahres-Future stabilisiert sich aktuell oberhalb der 90-Euro-Marke. Darunter bietet sich der Bereich bei 85–84,28 Euro/MWh aus der 200-Tage-Linie und der psychologischen Marke für Hedging-Aktivitäten an.
EUA-Dez-26-Future: Der EUA-Dez-Future zeigt nach dem technischen Rebound bis zur 75-Euro-Marke keine klare Richtung mehr und tendiert seitwärts. Mit dem nachhaltigen Anstieg über die 70-Euro-Marke bleiben auf der Oberseite die Hochs der Vormonate bei aufgerundet 75 Euro/t CO2 im Fokus. Ein nachhaltiger Ausbruch über 75 Euro/t CO2 wäre bullish zu werten. Auch in der vergangenen Woche ist dieser Ausbruch erneut nicht geglückt. Im Falle nachgebender Kurse der EUAs befindet sich auf der 70-Euro-Marke fortan wieder eine psychologische Unterstützung. Bei einem Rückfall darunter sollten die Tiefs aus Februar und März bei 68 Euro/t CO2 erneut Halt bieten können.

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