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Am Freitag vor dem langen Pfingstwochenende handeln die Energiemärkte gemischt. Während der THE Gas Frontmonat gegenüber seinem Schlusskurs um 18 Uhr stärker im Minus notiert, zeigen sich die TTF Gas-Kontrakte kaum verändert. Hier hatten die Notierungen bereits nach 18 Uhr nachgegeben. Der CO2-Markt handelt wiederum leicht im Plus, die Strom-Notierungen zeigen sich leichter. Die Hoffnungen auf eine baldige Lösung des Irankriegs haben sich in den letzten Tagen wieder reduziert. Zudem scheint der Iran aktiv an einem dauerhaften Mautsystem für die Straße von Hormus zu arbeiten.
Am kommenden Pfingstmontag ist ein bundesweiter Feiertag, ebenso wie auch in vielen anderen europäischen Ländern. An den Energiebörsen EEX und ICE Endex wird jedoch gehandelt. Die ICE Endex schließt um 19:30 Uhr, so dass der Handel mit TTF- Futures von Montag auf Dienstag früher beendet sein wird als üblich.
Bullishe Faktoren
Straße von Hormus womöglich dauerhaft eingeschränkt
Der Iran verhandelt laut Bloomberg mit dem Oman über ein dauerhaftes Mautsystem für die Straße von Hormus, um die Kontrolle über den strategisch wichtigen Seeweg formell abzusichern. Die USA lehnen mögliche Transitgebühren strikt ab und warnen vor Folgen für den Welthandel und die internationale Schifffahrt. Teheran signalisiert zugleich, die Kontrolle über die Meerenge auch nach einem möglichen Kriegsende beibehalten zu wollen, unter anderem zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes. Die Unsicherheit belastet weiterhin die globalen Öl- und LNG-Märkte. Sollte die freie Schifffahrt in der Meerenge dauerhaft eingeschränkt werden, dürfte das Vorkriegsniveau an Tankerdurchfahrten auf lange Sicht nicht mehr erreicht werden. Kpler geht davon aus, dass in diesem Fall lediglich 40 Prozent des früheren Niveaus erreichbar wären. Damit wäre dies ein extrem bullishes Szenario.
Khamenei will Uran unter keinen Umständen ausführen
Iran verschärft laut Reuters seine Haltung in den Verhandlungen mit den USA und lehnt eine Ausfuhr seines nahezu waffenfähigen Urans ab. Nach Angaben iranischer Quellen hat Ayatollah Mojtaba Khamenei angeordnet, dass die Bestände hoch angereicherten Urans das Land nicht verlassen dürfen, da Teheran sich sonst anfälliger für Angriffe durch die USA und Israel sieht. Die Entscheidung könnte die Gespräche über ein Ende des US-israelischen Konflikts mit Iran zusätzlich erschweren, da sowohl Präsident Donald Trump als auch die israelische Regierung auf den Abtransport des Materials drängen.
Gaseinspeicherung zu langsam
Die Einspeicherung verlangsamt sich weiter und bleibt deutlich hinter dem erforderlichen Tempo zurück. Am Mittwoch wurden EU-weit 1.236 GWh/Tag eingespeichert nach 1.806 GWh/Tag am Vortag und etwas weniger als die 1.392 GWh/Tag am Mittwoch der Vorwoche. In Deutschland wurden gar 83 GWh/Tag ausgespeichert nach einer Einspeicherung von 126 GWh/Tag am Vortag. Der 14-Tage-Durchschnitt der EU-weiten Netto-Einspeicherung liegt bei 2.096 GWh/Tag und damit erheblich unter den erforderlichen 2.951 GWh/Tag, um das EU-Ziel von 80 Prozent zum 1. November zu erreichen.
Senat blockiert Referendum gegen EU-ETS
Der polnische Senat hat ein von Präsident Karol Nawrocki vorgeschlagenes Referendum zur EU-Klimapolitik und zum EU-ETS abgelehnt. Die Abstimmung gilt als früher Rückschlag für Nawrockis Versuch, die EU-Dekarbonisierungspolitik politisch anzugreifen, die er für steigende Energiepreise und sinkende Wettbewerbsfähigkeit verantwortlich macht. Das Referendum sollte die Bevölkerung darüber abstimmen lassen, ob EU-Klimamaßnahmen die Lebenshaltungskosten sowie die Kosten für Unternehmen und Landwirtschaft zu stark erhöhen.
Heißer Juni erwartet
Die Durchschnittstemperaturen steigen in den nächsten zwei Wochen deutlich über das Klimamittel von 15 Grad Celsius auf Werte von rund 20 Grad Celsius. Der Wetterdienst MetDesk sieht insbesondere im Juni das größte Risiko dieses Sommers für Probleme bei der Kühlung französischer Atomkraftwerke, da außergewöhnlich heiße und trockene Bedingungen erwartet werden. Für Frankreich und Deutschland prognostiziert das Unternehmen Temperaturen von rund 2,5 Grad über dem langjährigen Durchschnitt, wodurch Flusspegel sinken und Wassertemperaturen steigen könnten. In den Monaten Juli und August werden zwar ebenfalls überdurchschnittliche Temperaturen erwartet, die Signale für anhaltend trockene und heiße Wetterlagen seien dort jedoch deutlich weniger ausgeprägt. Ein heißer Juni könnte zudem Wasserreserven und Wasserkraftbestände frühzeitig belasten und damit das Risiko höherer Strompreise in Europa im weiteren Sommerverlauf erhöhen.
Windkraft unterdurchschnittlich
Die Windeinspeisung in Deutschland ist aktuell mit Werten zwischen 4 und 6 GW deutlich unter dem langjährigen Mittelwert von 11 GW. Höhere Einspeisungen werden ab Dienstag mit 12,6 GW und am Mittwoch mit 20,7 GW erwartet. Nach diesem Peak fällt die Windleistung wieder auf Werte um den langfristigen Mittelwert.
Bearishe Faktoren
Hohe PV-Leistung am Pfingstwochenende
Die PV-Einspeisung ist aktuell deutlich erhöht. Bis zum Monatsende werden im Tagesmittel Werte von 20 bis 21 GW erwartet, rund 5 GW über dem langfristigen Mittelwert. Die Tagespeaks werden mit Werten zwischen 50 GW und 61 GW vorhergesagt. Für das bevorstehende lange Pfingstwochenende sind in der Mittagszeit somit negative Stundenpreise zu erwarten. Diese sind an der EPEX SPOT noch auf minus 500 Euro/MWh begrenzt. Ab dem 29.5. wird die Limitierung auf minus 600 Euro/MWh herabgesetzt.
Neutrale Faktoren
Norwegische Gasflüsse erholen sich, weitere Wartungen dauern an
Die Gasflüsse aus Norwegen erholen sich weiter nach dem Ende der Großwartungen. Die Exportnominierung für den heutigen Tag liegt bei 267,4 mcm/d nach 231,9 mcm/d am Vortag, verbleibt jedoch deutlich unter den Jahreshöchstständen von fast 350 mcm/d. Ein Großteil der umfangreichen Wartungsarbeiten der vergangenen Tage ist nun abgeschlossen, allerdings bestehen an Troll und Kollsnes weitere Folgewartungen. Hinzu kommen kurzfristige Wartungen an der Verarbeitungsanlage Kårstø sowie an den Gasfeldern Oseberg und Kvitebjørn.
Repräsentantenhaus verschiebt Iran-Abstimmung
Die republikanische Führung im US-Repräsentantenhaus hat kurzfristig überraschend eine Abstimmung über eine Resolution verschoben, die den Iran-Krieg beenden sollte, falls Trump keine Genehmigung des Kongresses erhält. Laut dem Demokraten Gregory Meeks verfügte die Vorlage diesmal wahrscheinlich über eine Mehrheit, weshalb die Republikaner die Abstimmung auf Anfang Juni vertagten. Zuvor hatte der US-Senat bereits eine ähnliche Maßnahme verabschiedet, während vergleichbare Resolutionen im Repräsentantenhaus bislang mehrfach knapp scheiterten.
Deutsches BIP wächst leicht in Q1
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im 1.Quartal 2026 preis- und saisonbereinigt um 0,3 Prozent entsprechend der Erwartungen der Ökonomen gegenüber dem 4. Quartal 2025 gestiegen. Um 10:00 Uhr wird außerdem der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Mai erwartet.
Fazit
Aktuell überwiegen aus unserer Sicht weiterhin die bullishen fundamentalen Faktoren für die fossilen Energieträger. Der Iran arbeitet weiterhin an der Durchsetzung seiner neuen Maut-Behörde, diplomatische Durchbrüche sind auch nicht in Sicht. Zudem bleibt die Situation der europäischen Gasspeicher sehr angespannt, in Deutschland wurde am Mittwoch sogar wieder netto ausgespeichert. Die norwegischen Gasexporte nehmen zwar wieder zu, bleiben aber noch wartungsbedingt deutlich unter den Jahreshöchstständen. Insofern bleibt nur ein überraschender Durchbruch als bearishes Szenario. Wir sind vor dem Pfingstwochenende daher weiter bullish gestimmt für Öl, Gas, Kohle und Strom. Die EUAs sehen wir weiterhin neutral. Angesichts des langen Wochenendes dürfte das Handelsvolumen am Pfingstmontag relativ gering ausfallen, was die Gefahr von volatilen Ausschlägen erhöht, insbesondere für den Fall neuer Ereignisse im Nahen Osten.
Hedging View
TTF Gas Cal 27: In den letzten beiden Handelstagen zeigte sich der Gasmarkt schwächer, doch ein wirklicher Durchbruch in Nahost kann nicht vermeldet werden. Zudem arbeitet der Iran weiterhin an der Durchsetzung seiner neuen Maut-Behörde. Abseits der Geopolitik bleibt der europäische Gasmarkt fundamental gestützt: Die Speicherbefüllung verläuft zu langsam, das LNG-Angebot bleibt Hormus-bedingt knapp, und Asien zieht zunehmend mehr Mengen ab. Preisrücksetzer bieten sich somit weiterhin als Kaufgelegenheit an. Das Verlaufstief bei 34 Euro/MWh kommt für Hedging-Aktivitäten als erste Marke infrage. Darunter bieten das Verlaufstief vom 17.4. bei 32,3 Euro/MWh und die 200-Tage-Linie bei aktuell 32,08 Euro/MWh einen möglichen Auffangbereich.
Strom Cal 27 Base: Der Strommarkt ist aktuell fundamental in dem Spannungsfeld zwischen gestützten Gaspreisen und regulatorisch volatilen EUAs neutral bis leicht bullish zu werten. Dies bestätigt sich auch anhand der Charttechnik: Das Strom Cal 27 Base handelt seit Anfang April in der Range zwischen rund 87 Euro/MWh auf der Unter- und 94 Euro/MWh auf der Oberseite. Aufgrund der geopolitischen (Gas) und regulatorischen (EUA) Unsicherheit bieten sich Preisrücksetzer weiterhin als Kaufgelegenheit an. Unterhalb der 90-Euro-Marke bietet sich das Verlaufstief bei 88,31 Euro/MWh für Hedging-Aktivitäten an sowie der Support knapp oberhalb von 87 Euro/MWh. Darunter stellt die 200-Tage-Linie bei aktuell 85,86 Euro/MWh die nächste Unterstützungszone dar.
EUA-Dez-26-Future: Die EUAs sind weiterhin fundamental neutral zu sehen, da zu viele politische Unwägbarkeiten bestehen. Die EU hat zuletzt wenig Bereitschaft zu deutlichen Aufweichungen des EU-ETS gezeigt. Auch die vereinzelten bearishen Meldungen haben keinen anhaltenden Verkaufsdruck ausgelöst, da die möglichen Anpassungen extrem komplex sind und daher die Absichten der EU nicht eindeutig erkennbar. Die finale Reform steht noch an und wird erst dann Klarheit liefern. Preisrücksetzer bieten sich entsprechend weiterhin als Kaufgelegenheit an. Im Falle weiter nachgebender Kurse bietet das Verlaufstief bei 72,43 Euro/t CO2 einen ersten Support, darunter wartet die 70-Euro-Marke als eine psychologische Unterstützung. Unterhalb dieser sollten die Tiefs aus Februar und März bei rund 68 Euro/t CO2 erneut Halt bieten können. Gelingt dagegen doch der nachhaltige Ausbruch über den 200-Tage-EMA bei aktuell 76,75 Euro/t CO2 und das Verlaufshoch bei 78,07 Euro/t CO2, wäre dies bullish zu werten.

Unser Analyse-Team
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