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Vor dem Wochenende notieren die Energiemärkte um 9:45 Uhr nahezu unverändert im Vergleich zu gestern Abend. Nach dem schwachen Vortag eröffnete das TTF Gas Frontjahr mit einer kleinen Abwärtskurslücke von 0,16 Euro/MWh, die in der Zwischenzeit jedoch geschlossen wurde.
In Sachen Friedensgespräche für die Ukraine gibt es weiterhin keinen Durchbruch. Präsident Putin drohte gestern mit weiteren Eroberungen. Bundeskanzler Merz sagte kurzfristig eine Reise nach Norwegen ab und wird heute stattdessen nach Belgien reisen. Offensichtlich sind kurzfristig wichtige Gespräche angesetzt worden, bei denen es möglicherweise um die Nutzung eingefrorener russischer Gelder für die Ukraine geht. Diese ca. 200 Mrd. Euro könnten einen großen Beitrag zur Finanzierung der Verteidigung der Ukraine spielen, was in Zeiten, in denen viele westliche Unterstützerländer unter Finanzproblemen leiden, umso bedeutender wäre.
Bullishe Faktoren
Gasausspeicherungen am Mittwoch weiter gestiegen
Die Gasausspeicherungen haben auch am Mittwoch weiter zugelegt. Laut AGSI-Daten wurden 6.648 GWh/Tag EU-weit ausgespeichert (Vortag 5.849 GWh/Tag). Die Ausspeicherungen liegen damit etwa auf dem Mittwoch der Vorwoche (6.683 GWh/Tag). Die Gasspeicherstände sanken um 0,59 Prozentpunkte auf 73,85 Prozent (EU) bzw. minus 0,70 Prozentpunkte auf 65,61 Prozent (DE).
Bearishe Faktoren
Norwegens Gaslieferungen weiterhin stabil
Die norwegischen Lieferungen nach Nordwesteuropa steigen am Freitag laut aktueller Nominierungen auf 337,5 Mio. Kubikmeter/Tag (Vortag: 323,4 Mio. Kubikmeter/Tag). Derzeit bestehen keine ungeplanten Ausfälle. Der Großteil der geplanten Ausfälle soll über das Wochenende auslaufen. Der Ausfall in Asgard wurde allerdings bis zum 12. Dezember verlängert (minus 6,4 Mio. Kubikmeter/Tag, zuvor bis 6. Dezember).
Temperaturprognosen bleiben mild
Die Temperaturprognosen sehen weiterhin mild aus. Die unterdurchschnittlichen Temperaturen werden mit dem morgigen „Nikolaustag“ beendet sein, anschließend steigen die Temperaturen laut aktueller Prognosen am Montag auf rund 10 Grad Celsius (Klimamittel: 4 Grad Celsius). Der Dezember dürfte damit mild ausfallen. Im Januar deuten die Prognosen bislang durchschnittliche Temperaturen an. Die Windeinspeisung wird zum Wochenende ebenfalls ansteigen und bis Donnerstag der kommenden Woche überdurchschnittlich ausfallen.
US-LNG-Kapazität wächst weiter
Das Golden Pass LNG-Terminal in Texas mit einer geplanten Kapazität von 18,1 Mio. Tonnen jährlich, hat eine wichtige Genehmigung zur Inbetriebnahme erhalten. Die US-Energieregulierungsbehörde FERC erlaubte die Einfuhr eines sogenannten „Cool-down“-Cargos zur Vorbereitung der Anlagen auf den Produktionsstart. Die Betreiber rechnen mit Produktionsbeginn Ende 2025 oder Anfang 2026, wobei die drei Verarbeitungslinien im Abstand von jeweils sechs Monaten anlaufen sollen.
Neutrale Faktoren
LNG-Preise in Europa und Asien nähern sich an
Angesichts der kräftigen Kursrücksetzers am europäischen Gasmarkt hat sich auch der JKM-TTF-Spread geweitet und liegt mit Settlementpreis von Donnerstag bei rund 1,7 US-Dollar/MMBtu für den Januar-Future. Ab 2 US-Dollar/MMBtu kam es in der Vergangenheit häufig zu steigenden TTF-Gaspreisen, da vermehrt Mengen von den USA nach Asien abgewandert sind. Der Spread nähert sich dieser Grenze, womit anzunehmen ist, dass bald amerikanische LNG-Mengen nach Asien abwandern.
Nach einem Rückgang auf rund 31,2 Mio. Kubikmeter im November werden laut Kpler-Daten im Dezember asiatische LNG-Importe von 37,8 Mio. Kubikmeter erwartet (Dezember 2024: 34,2 Mio. Kubikmeter). Die europäischen LNG-Importe dürften dagegen im Dezember bei rund 26,4 Mio. Kubikmeter stagnieren, liegen damit aber oberhalb des Vorjahreswertes von 22,1 Mio. Kubikmeter.
Offshore-Wind-Volumen in Deutschland reduziert
Deutschland reduziert 2026 das Volumen geplanter Offshore-Windkraft-Auktionen deutlich, nachdem zuletzt keine Gebote eingingen. Grund sind gestiegene Kosten, unsichere Erlöse und fehlende Subventionen, was Investoren abschreckt. Eine Reform des Auktionssystems mit risikomindernden Verträgen ist erst ab 2027 geplant.
Wichtige Klimastudie des Potsdam-Instituts zurückgezogen
Eine vom Potsdam-Institut in der Zeitschrift Nature veröffentlichte und international vielzitierte Studie zu den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels wurde zurückgezogen, nachdem methodische Mängel und unsichere Daten, insbesondere aus Usbekistan, die Ergebnisse stark beeinflussten. Die überarbeiteten Zahlen zeigten geringere erwartete Schäden sowie eine deutlich größere Unsicherheit, weshalb die Korrekturen als zu gravierend für eine einfache Anpassung galten. Die Rücknahme hat Auswirkungen auf zentrale Klimaszenarien, etwa des Netzwerks NGFS, das weltweit von Zentralbanken genutzt wird.
Fazit
Die kurzzeitigen Stabilisierungen der Notierungen am Mittwoch haben schnell ein Ende gefunden. Mit weiterhin sehr milden Temperaturprognosen für Dezember und steigenden Windeinspeisungen sorgt das Wetter für starken Abwärtsdruck am Gasmarkt. Bemerkenswert ist dabei, dass während im November kaum eine belastbare Korrelation zwischen Gas- und Strompreisen bestand und sich der Strommarkt überwiegend an der EUA-Preisbewegung orientierte, dieses Bild sich inzwischen fundamental gedreht hat. Seit einigen Tagen reagiert der Strompreis wieder primär auf die Gaspreisdynamik, während die Bedeutung der EUA-Preise deutlich in den Hintergrund getreten ist.
Insgesamt bleibt die Lage auf dem Gasmarkt entspannt, die derzeit noch höheren Gasspeicherungen zeigen keine preislichen Auswirkungen. Insofern sehen wir den Gasmarkt fundamental weiterhin bearish, was nun auch stärker auf den Strommarkt abfärben dürfte. Allerdings besteht weiterhin eine kurzfristige Rebound-Gefahr, da das TTF Gas Cal 26 stark überverkauft ist und sich dem Support bei 26,45 Euro/MWh nähert (Februar 24-Tief). Die EUAs bleiben dagegen spekulativ gestützt.
Hedging View
TTF Gas Cal 26: Nach dem dynamischen Bruch der 30‑Euro-Marke hat sich der Abwärtsimpuls im TTF Gas Cal 26 deutlich intensiviert. Der Future notiert inzwischen in einer dritten Beschleunigungsphase innerhalb eines sehr steil verlaufenden, braun gestrichelten Abwärtstrendkanals, dessen Fortbestand in dieser Form erfahrungsgemäß zeitlich begrenzt ist. Das Swing-Low mit Hammer-Kerzen als möglicher Wendepunkt wurde am Donnerstag nicht bestätigt. Es folgte ein Rutsch unter das Tief des potentiellen Wendepunktes. Am Freitag steht der Gas-Future knapp über dem Februar-Tief aus dem Jahres 2024 bei 26,45 Euro/MWh. Auf diesem Niveau sollte eine Stabilisierung der Preise nicht verwundern. Aufgrund des dynamischen Kursverfalls ist ein Durchbruch unter dieses Level durchaus anzunehmen. Die Versuche der Gasbullen, die Preise zu stabilisieren, scheiterten zuletzt regelmäßig.
Strom Cal 26 Base: Nachdem in KW 48 der steile blaue Aufwärtstrend gebrochen und eine Umkehrformation in Form eines Doppeltops bestätigt wurde, fiel der Preis des Strom Cal 26 Base Futures am Dienstag unter die relevante Supportzone bei 86 Euro/MWh zurück, was das Chartbild deutlich eintrübte. Der nächste Support bei 84 Euro/MWh steht bereits zur Disposition. Der Verkaufsdruck ist hoch und ein Rückfall unter dieses Level könnte zu weiteren Preisabgaben in Richtung Augusttief bei rund 83 Euro/MWh führen. Versuche der Strombullen, die Preise zu stabilisieren, scheiterten zuletzt regelmäßig. Auf Candlestick-Umkehrsignale ist dennoch weiterhin zu achten. Werden diese bestätigt, was zuletzt regelmäßig nicht der Fall war, ist eine technische Gegenbewegung anzunehmen. Dabei wäre eine Rückeroberung der 86-Euro-Marke und ein Schließen der letzten Abwärtskurslücke (obere Gap-Kante bei 86,25 Euro/MWh) bullish zu werten.
EUA-Dez-25-Future: Seit April dieses Jahres befinden sich die Emissionsrechte in einem intakten Aufwärtstrend. In der vergangenen KW 48 hat der Dez-Future den starken Widerstand bei 82,79 Euro/t CO2 auf Wochenschlusskursbasis überwunden und damit ein aufwärtstrendbestätigendes Kaufsignal generiert. Das neue Trendhoch befindet sich bei 83,37 Euro/t CO2. Das bisherige Jahreshoch bei 84,50 Euro/t CO2 stellt den nächsten relevanten Widerstand und Zielbereich dar. Aufgrund des intakten Aufwärtstrends dürften Kursrücksetzer von den Marktteilnehmern weiterhin als Kaufgelegenheit wahrgenommen werden (Buy the Dip). Die „Three Inside Down“-Candlestick-Formation hatte zu kurzfristig fallenden Preisen geführt. Auf dem 20-Tage-SMA bei aktuell 81,41 Euro/t CO2 kam es am Donnerstag zu Kaufinteresse. Am Freitag der KW 49 wird die Widerstandszone zwischen 82,79-83,37 Euro/t CO2 getestet. Ein Ausbruch darüber sollte einen Kaufimpuls bis zum Jahreshoch bei 84,50 auslösen. Bei 81,15 Euro/t CO2 befindet sich der Aufwärtstrend seit Mitte August, wo sich Hedging Aktivitäten anbieten. Die 80-Euro-Marke gilt als starke Unterstützung.

Unser Analyse-Team
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