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Am Mittwochmorgen notieren die Energiemärkte unisono im Plus. Am Strommarkt liefert der französische Frontmonatskontrakt Base mit einem Plus von 8,7 Prozent heute bullishe Impulse und treibt auch den deutschen Strom Base August Future 3 Prozent nach oben. Neue Kraftwerksausfälle sind nicht gemeldet, daher dürfte die Bewegung mit den wieder wärmeren Temperaturprognosen ab Anfang August zu tun haben, wenngleich bislang keine große Hitzewelle droht.
Der Brent Crude Frontmonat notiert heute um 09:30 Uhr 3,5 Prozent fester bei 94,22 USD/bbl. Über Nacht gab es erneut US-Angriffe auf den Iran, erstmals seit Beginn dieser aktuellen Eskalationsrunde auch wieder in der Hauptstadt Teheran. Unterdessen blockieren die Huthis aus dem Jemen offenbar erfolgreich die Zufahrt zum Roten Meer, so dass Öllieferungen aus Saudi-Arabien nicht in Richtung Asien gelangen können. US-Präsident Trump kündigte Gegenmaßnahmen an. Von einer Waffenruhe ist aktuell keine Rede mehr.
Bullishe Faktoren
Ausfahrt aus Rotem Meer durch Huthis blockiert
Drei saudi-arabische Öltanker, die in Richtung China bzw. Indien unterwegs waren, haben seit gestern die Durchfahrt der Meerenge Bab al-Mandab nach einer Warnung der Huthi-Milizen abgebrochen und steuern nun den Suez-Kanal an. Weitere Details siehe Rückblick/Recap.
Trump sieht keine Gesprächsgrundlage mit Iran
US-Präsident Donald Trump sieht derzeit keine Grundlage für unmittelbare Gespräche mit Iran, solange Teheran aus seiner Sicht nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist. Gleichzeitig setzen der Iran und die USA ihre gegenseitigen Angriffe fort. Erstmals seit Beginn der jüngsten Eskalation im Iran-Krieg ist in der Hauptstadt Teheran wieder die Flugabwehr aktiviert worden. Trump kündigte auch Gegenmaßnahmen gegen die von den Huthis verhängte Blockade im Roten Meer an, ohne diese näher zu erläutern.
Tropensturm zieht in Richtung LNG-Anlagen
Tropensturm Bertha wird sich nach Angaben des US-Hurrikanzentrums bis Mittwochabend entlang der nördlichen Golfküste westwärts ausbreiten. Betroffen sind zunächst der Florida Panhandle sowie Alabama und Mississippi, später auch der Großraum New Orleans und Teile Louisianas. Für die Küsten von Mississippi und Louisiana gilt eine Hochwasserwarnung, zudem sind bis Donnerstag örtliche Sturzfluten möglich. Auch im äußersten Westen Louisianas und an der oberen texanischen Golfküste könnten zusätzliche Warnungen erforderlich werden. In der Region liegen mit Plaquemines LNG, Cameron LNG, Calcasieu Pass und Sabine Pass mehrere wichtige LNG-Exportanlagen. Weiter westlich befindet sich Freeport LNG an der texanischen Golfküste, sodass je nach Zugbahn auch Hafen- und Schiffsverkehr beeinträchtigt werden könnten. Auch lokale Stromausfälle sind durchaus möglich. Da Bertha jedoch bereits auf rund 85 km/h abgeschwächt wurde und weiter an Kraft verlieren soll, sind nach aktuellem Stand eher vereinzelte oder regionale Ausfälle als großflächige Netzprobleme zu erwarten.
Ungeplanter Ausfall an norwegischer Gasanlage
An der norwegischen Gasanlage Dvalin kommt es heute aufgrund von Prozessproblemen zu einem Ausfall von 5,4 mcm/d. Der Ausfall ist allerdings gering und soll bereits morgen behoben sein.
Strategische Ölreserven auf tiefstem Niveau seit 1983
Am Montag wurde durch Reuters berichtet, dass die strategischen Erdölreserven der USA auf den niedrigsten Stand seit 1983 gefallen sind. Auch die gesamten US-Ölvorräte, einschließlich kommerzieller Lagerbestände, liegen auf dem tiefsten Niveau seit 1984.
Bearishe Faktoren
Hoffnung auf Waffenruhe
Weiterhin besteht Hoffnung auf eine erneute Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, um wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Wahrscheinlichkeit ist zuletzt allerdings gesunken.
Temperaturen weiterhin kühl
Die deutschen Durchschnittstemperaturen liegen aktuell mit 17 Grad Celsius unter dem langfristigen Klimamittel. Am Samstag wird es kurzfristig wärmer, nachhaltige Temperaturanstiege auf rund 21,5 Grad Celsius sind erst zum 01.08. erwartbar.
Neutrale Faktoren
Erneuerbare wechselhaft
Die Windeinspeisung bleibt diese Woche wechselhaft. Heute werden sehr starke 24,5 GW eingespeist. Donnerstag und Freitag liegt der Ertrag bei leicht unterdurchschnittlichen 7,5 GW. Ab Sonntag zieht die Einspeisung erneut an und erreicht am Montag Spitzenwerte von 17 GW. Der PV-Ertrag ist heute und morgen mit rund 13 GW leicht unterdurchschnittlich. Am Freitag und Samstag wird es mit knapp 20 GW sonniger, bevor die Leistung am Wochenende wieder auf 11,5 GW sinkt.
Fazit
Aktuell stehen die Zeichen weiterhin auf Eskalation im Nahen Osten. Damit wird eine planmäßige Wiederinbetriebnahme der LNG-Anlage Ras Laffan immer unwahrscheinlicher. Es steigt nach US-Angriffen auf iranische Brücken eher das Risiko von erneuten Attacken auf Energieinfrastruktur in der Golfregion. Angesichts der niedrigen Gasspeicherstände in Europa wird die Lage am LNG-Markt daher vor dem Winter kritisch. Wir bleiben weiterhin bullish für Öl, Gas und Kohle und damit auch für Strom. Die EUAs schätzen wir neutral ein.
Hedging View
TTF Gas Cal 27: Die Korrelation der Öl- und Gaspreise bleibt hoch, womit der Blick auf den Ölpreis unerlässlich bleibt. Und Öl treibt die Märkte an. Nach zaghaften Hoffnungen auf diplomatische Vermittlungen im Nahostkrieg stehen die Zeichen aktuell weiterhin eher auf Eskalation. Die Wiederinbetriebnahme der LNG-Anlage Ras Laffan wird unwahrscheinlicher und mit den niedrigen Gasspeicherständen in Europa wird die Lage kritischer. Zudem steigt das Risiko von weiteren Angriffen auf die Energieinfrastruktur. Preisliche Korrekturen sollten daher für Absicherungszwecke genutzt werden. Beim TTF Gas Frontjahr stellt die 40-Euro-Marke einen psychologischen Support dar. Darunter könnte der ehemalige charttechnische Deckel bei 39 Euro/MWh für Hedging-Aktivitäten genutzt werden. Stärkerer Kaufdruck ist hier zu erwarten.
Strom Cal 27 Base: Seit dem Junitief bei 91,50 Euro/MWh bleibt der Aufwärtstrend beim Strom Cal 27 Base Future intakt. Eine Korrektur oder Gegenbewegung ist bislang ausgeblieben. Mittlerweile hat der Strom-Kontrakt das Hoch bei 104,01 Euro/MWh aus März nachhaltig überwunden. Damit sinkt die Chance auf eine Bullenfalle. Der Markt zeigt sich zwar zweifelsohne überkauft, doch in starken Trendphasen ist dies nicht ungewöhnlich und sollte Absicherungen auf der Oberseite nicht verhindern. Weder im Tageschart noch anderweitig zeigen sich derzeit Anzeichen für nachgebende Preise. Doch auch der Strommarkt ist für gewöhnlich keine Einbahnstraße nach oben, von daher bleibt der Strom-Future korrekturanfällig. Im Falle von Kursrücksetzern bietet fortan die 100-Euro-Marke einen psychologischen Support. Darunter wartet bei 96,75 Euro/MWh eine potenzielle Polaritätswechselzone, auf welcher Hedging-Aktivitäten für das Strom-Portfolio in Erwägung gezogen werden könnten. Absicherungen auf der preislichen Oberseite sind natürlich ebenfalls zielführend, sollten die Kurse die Support-Niveaus nicht mehr ansteuern.
EUA-Dez-26-Future: Die EUAs konsolidierten am Dienstag leicht nach der fulminanten Rally von Montag. Die EUAs verfahren mit der Veröffentlichung der Reformpläne durch die EU-Kommission offenbar nach dem Motto „Sell the Rumor, Buy the Fact!“ Der Aufwärtstrend ist weiterhin völlig intakt und wir bleiben bei unserer Auffassung, dass Kursrücksetzer für Absicherungen im CO2-Portfolio genutzt werden könnten. Das Mehrfachhoch bei 82,28 Euro/t CO2 wurde im gestrigen Handel angelaufen, woraufhin der Kaufdruck wieder zunahm, was die Bedeutung dieser Marke unterstreicht. Ein erneuter Test dieser Haltemarke bietet sich somit für Hedging-Aktivitäten an. Weitere relevante Marken sind darunter die psychologische 80-Euro-Marke und die Mehrfachtiefs bei 78,31 Euro/t CO2.


Unser Analyse-Team
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