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Energiemärkte konsolidieren auch am Donnerstag
13.08.2026
19:00
Uhr

Nach einer schwachen Eröffnung stiegen die Energiekontrakte am Donnerstag im Verlaufe des Tages und es kam mehrheitlich zu positiven Vorzeichen bis Handelsschluss. Doch im Vergleich zu den letzten Wochen fallen die Preisveränderungen moderat aus. Derzeit wartet der Markt insbesondere auf neue Entwicklungen in Nahost. Die Lage scheint auch laut Pentagon festgefahren: Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die Blockade iranischer Häfen könnte zeitlich unbegrenzt aufrechterhalten werden. Wie unübersichtlich die Situation dabei bleibt, zeigt auch die stark divergierende Schätzung der tatsächlichen Hormus-Ölströme zwischen offiziellen und unabhängigen Quellen. In Europa hält zudem die derzeitige Hitzewelle die Märkte weiter in Atem.

Hitzewelle drückt französische KKW-Verfügbarkeit auf Dreijahrestief

Hitzebedingte Einschränkungen sollen die französische Kernkraftleistung am Montag um 8,8 GW beziehungsweise 13,9 Prozent der Flotte reduzieren, nachdem für Freitag sogar Kürzungen von 16,9 Prozent erwartet werden. Dadurch dürfte die durchschnittliche Verfügbarkeit der Kernkraftwerke laut Montel in dieser Woche auf 36,4 GW und damit auf den niedrigsten Wochenwert seit drei Jahren fallen, während am Freitag mit 35,4 GW ein Tagestief seit Mai 2025 erwartet wird. Für die kommende Woche wird jedoch mit einer Erholung der durchschnittlichen Verfügbarkeit auf 42,1 GW gerechnet.

USA können Iran-Blockade laut Pentagon unbegrenzt aufrechterhalten

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, die US-Marine könne die Blockade iranischer Häfen durch den regelmäßigen Austausch von Schiffen zeitlich unbegrenzt aufrechterhalten und damit den wirtschaftlichen Druck auf Teheran fortsetzen. Seit Kriegsbeginn Ende Februar haben die USA mehr als 20 Kriegsschiffe und Zehntausende Soldaten in die Region verlegt und nach eigenen Angaben mehr als 55 Handelsschiffe an der Durchbrechung der Blockade gehindert. Gleichzeitig kontrolliert Iran weiterhin den Zugang durch die Straße von Hormus und greift Handelsschiffe an, die das Seegebiet ohne iranische Genehmigung passieren, während die USA die Schifffahrt zu und von nicht-iranischen Häfen schützen wollen.

Hormus-Ölströme möglicherweise deutlich höher als erfasst

US-Energieminister Chris Wright zufolge passierten zuletzt fast 9 Millionen Barrel Öl pro Tag die Straße von Hormus, während Anbieter von Tanker-Bewegungsdaten lediglich etwa 4 bis 5 Millionen Barrel erfassen. Die tatsächlichen Mengen sind derzeit schwer festzustellen, da viele Tanker ihre Positionssignale abschalten, hochauflösende Satellitenbilder kaum verfügbar sind und Schiff-zu-Schiff-Transfers die Nachverfolgung zusätzlich erschweren. Mindestens 5 Millionen Barrel pro Tag lassen sich laut Bloomberg anhand verfügbarer Daten bestätigen, während unentdeckte Tankerbewegungen die tatsächlichen Mengen theoretisch auf 7 bis 9 Millionen Barrel erhöhen könnten. Höhere als bislang angenommene Exporte aus dem Persischen Golf könnten zusammen mit strategischen Reserven, Umgehungspipelines, geringeren chinesischen Importen und kommerziellen Lagerbeständen erklären, warum der Ölpreis trotz des Iran-Kriegs unter 90 US-Dollar je Barrel liegt.

Deutschland verlängert nationalen CO2-Preiskorridor bis 2027

Die Bundesregierung hat beschlossen, den nationalen CO2-Preis 2027 weiterhin in einer Spanne von 55 bis 65 Euro/t CO2 zu halten und dafür das Brennstoffemissionshandelsgesetz anzupassen. Damit wird der ursprünglich vorgesehene Übergang zu einer stärker marktbestimmten Preisbildung verschoben, um Unternehmen und Verbraucher vor größeren Preisschwankungen zu schützen. Das nationale System erfasst vor allem Emissionen aus Brennstoffen im Gebäude- und Straßenverkehrssektor und soll als Übergangslösung bis zum Start des europäischen ETS2 dienen. Da sich auf EU-Ebene eine Verschiebung des ETS2-Starts von 2027 auf 2028 abzeichnet, verlängert Deutschland den bestehenden Preiskorridor um ein weiteres Jahr. Der Gesetzentwurf muss nun noch das parlamentarische Verfahren durchlaufen, bevor die Regelung für 2027 in Kraft treten kann.

IEA Monatsbericht Gas Mai

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat am Mittwoch ihren Gasbericht zum Datenstand Mai 2026 veröffentlicht. Die Gasförderung der 38 OECD-Mitgliedsstaaten stieg im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent. Der Gasverbrauch legte um 1,2 Prozent zu, während die Importe in die OECD-Länder um 7,9 Prozent sanken und die Exporte um 0,8 Prozent zurückgingen. Der Rückgang geht dabei ausschließlich auf sinkende Pipeline-Importe zurück, die LNG-Importe der OECD-Staaten legten im Mai um rund 3,3 Prozent zu. Auf Jahressicht (Januar bis Mai) erhöhten Kanada und die USA ihre Förderung um 4,5 beziehungsweise 4 Prozent. Der größte europäische Produzent Norwegen kam auf 53.139 Millionen Kubikmeter, ein Plus von 1,2 Prozent. Australien blieb 3,9 Prozent hinter dem Vorjahreszeitraum zurück. Erwähnenswert: Die deutsche Förderung stieg bis Mai um 4,4 Prozent auf 1.645 Millionen Kubikmeter, die Importe legten um 14,1 Prozent auf 44.641 Millionen Kubikmeter zu. Der deutsche Verbrauch lag kumuliert 0,9 Prozent über dem Vorjahreswert.

Staatliche Gasreserve mit 24 TWh geplant

Das Bundeswirtschaftsministerium will die geplante staatliche Gasreserve von 24 TWh zeitnah ins Kabinett bringen, wobei die Finanzierung entweder über eine Umlage für Gaskunden oder aus dem Bundeshaushalt erfolgen könnte. Hintergrund sind mit 47,3 Prozent vergleichsweise niedrige deutsche Gasspeicherstände sowie Sorgen, dass geopolitische Risiken und hohe Preise die Befüllung bis zum Winter erschweren könnten. Zugleich lehnt das Ministerium eine direkte staatliche Speicherbefüllung ab, da dies den Gasmarkt zusätzlich verknappen, Preise erhöhen und erhebliche Kosten verursachen könnte.

Fehlende Terminalkapazitäten senken ägyptische LNG-Importe

Ägypten dürfte laut Kpler im August mit 1,02 Mio. Tonnen über 14 Ladungen deutlich weniger LNG erhalten als im Juli mit 1,68 Mio. Tonnen über 24 Ladungen, obwohl der August eigentlich in die Hochphase der sommerlichen Gasnachfrage fällt. Gründe sind die weiterhin ausgefallene Regasifizierungseinheit „Energos Winter“ am Terminal Damietta, die bei einem Angriff am 29. Juli beschädigt wurde und seither außer Betrieb ist, ebenso wie der LNG-Tanker „Gaslog Salem“, der ab August als schwimmende Speichereinheit dienen sollte. Infolge des Angriffs wurden bereits mehrere für Damietta bestimmte Tanker umgeleitet: Die „Kinisis“ steuert nun das spanische Sagunto an, die „HI Fortuna“ das französische Fos Cavaou und die „Isabella“ ebenfalls Barcelona in Spanien.

Leichter Preisrückgang am Spotmarkt

Trotz der hohen Durchschnittstemperaturen von knapp 26 Grad Celsius sind die Preise am deutschen Strom-Spotmarkt etwas zurückgegangen. Moderat dämpfend wirken die gestiegenen Windprognosen von knapp 8 auf 10 GW sowie die weiterhin starke PV-Leistung von 20 GW. Der Baseloadpreis für den morgigen Freitag ist mit 140,33 Euro/MWh 4,6 Prozent geringer als der heutige Preis von 147,07 Euro/MWh. Das Tagesprofil ähnelt den beiden vorangegangenen Tagen, die Tagesspitze wird erneut um 19:45 Uhr erreicht, ist mit 303,49 Euro/MWh allerdings deutlich niedriger als die gestrige Spitze bei 487,38 Euro/MWh. Bis Samstag ist weiterhin mit viel Solarertrag und gleichzeitig hohen Temperaturen zu rechnen, während die Windeinspeisung vorerst um den Durchschnitt pendelt.

Herausgeber:
EnerChase GmbH & Co. KG, (im Folgenden "enerchase"),
Sitz:
Willich, eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Krefeld unter HRB 13893 diese vertreten durch die Geschäftsführer Stefan Küster und Dennis Warschewitz.
Autoren: Dennis Warschewitz, Stefan Küster, Tobias Waniek
Hinweis zur Methodik: Die Markteinschätzung beruht auf fundamentaler und technischer Analyse. Der Zeitrahmen, auf die sich die Tendenzaussagen beziehen, ist jeweils ein Tag. Die Tendenzen werden im täglichen Rhythmus veröffentlicht.
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