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Die KW 37 startet mit positiven Vorzeichen an den Energiemärkten. Am Wochenende eskalierte der Konflikt zwischen den USA und dem Iran mit den bislang größten wechselseitigen Tankerangriffen. Das US-Militär griff drei iranische Rohöltanker an, nachdem die Revolutionsgarden zuvor zwei US-Kriegsschiffe mit ballistischen Raketen attackiert hatten. Der Iran griff im Gegenzug drei Tanker an, die die Straße von Hormus auf einer nicht autorisierten Route passierten. Beide Seiten signalisieren, sich auf einen langen Konflikt einzustellen. Der Iran drohte mit einer „schnelleren, härteren und schmerzhafteren“ Antwort auf künftige Aggressionen und kündigte eine neue Sperrzone außerhalb der Straße von Hormus an. US-Energieminister Chris Wright sprach von einer anhaltenden US-Präsenz und einer damit einhergehenden Blockade iranischer Häfen.
Der Brent Crude Frontmonat legte 1,4 Prozent zu und handelte am Abend bei 97,66 USD/bbl. Das TTF Gas Frontjahr schloss 2,1 Prozent fester, der Frontmonat notierte gegen 18 Uhr 1,4 Prozent im Plus. Das deutsche Strom Cal 27 Base geht 2,1 Prozent fester bei 124,00 Euro/MWh aus dem Handel. Der EUA-Dezember-Future hat derweil am Montag den Sprung über das Reaktionshoch vom 26.08. bei 84,72 Euro/t CO2 vollzogen und auch das obere Bollinger Band (84,77 Euro/t CO2) mit dem Schlusskurs bei 84,98 Euro/t CO2 auf Tagesbasis überwunden. Nach den überdurchschnittlich hohen Volumenbalken an Tagen mit steigenden Preisen spricht die Mehrzahl der charttechnischen Argumente für weiter steigende CO2-Preise in den nächsten Tagen.
Hormus: Iran-Oman-Abkommen steht kurz bevor
Iran zufolge steht eine Vereinbarung mit Oman zur gemeinsamen Steuerung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus kurz vor dem Abschluss und soll bei der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation dokumentiert werden. Der Deal soll eine temporäre sichere Route durch die für den Energiehandel zentrale Meerenge festlegen und wurde nach wochenlangen Verhandlungen erreicht. Er käme zu einem Zeitpunkt erhöhter Spannungen: Iran hatte Angriffe auf mehrere Schiffe gemeldet, während die USA zuvor iranische Öltanker als Reaktion auf einen Raketenangriff der Revolutionsgarden auf US-Kriegsschiffe attackiert hatten.
Fraglich ist wie die USA auf einen Deal der beiden Länder reagieren würden. US-Präsident Trump hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass die USA keine Gebühren für die Passage der Meerenge tolerieren würden. Der Wasserweg solle unbedingt zu seinem Vorkriegszustand zurückkehren.
Hormus-Schiffsverkehr fällt auf niedrigsten Stand seit Mai
Der Waren- und Rohstoffschiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist nach wechselseitigen Angriffen der USA und Irans deutlich zurückgegangen. Im Zehn-Tage-Durchschnitt passierten zuletzt laut Kpler nur noch zehn Schiffe pro Tag die Meerenge, der niedrigste Wert seit Mai. Am Samstag waren es lediglich zwei und am Sonntag sechs. Die jüngsten Angriffe auf iranische Öltanker sowie iranische Attacken auf Tanker und US-Schiffe haben das Risiko für die kommerzielle Schifffahrt wieder deutlich erhöht. Besonders relevant für die Energiemärkte ist, dass seit Mittwoch kein VLCC die Meerenge verlassen hat und ein mit Raffinerieprodukten beladener Tanker aus Saudi-Arabien umkehren musste. Dem stehen Angaben von u. a. Bloomberg und Macquarie gegenüber, wonach weiterhin rund 6 bis 8 Millionen Barrel Rohöl und raffinierte Produkte pro Tag durch die Straße von Hormus transportiert werden, verglichen mit etwa 20 Millionen Barrel vor Kriegsbeginn.
Zudem berichtet Bloomberg, dass mehrere leere LNG-Tanker mit Bezug zu Katar wieder in Richtung Persischer Golf fahren, was auf Vorbereitungen für eine mögliche Wiederaufnahme der Exporte durch die Straße von Hormus hindeutet. Laut Schiffsverfolgungsdaten befinden sich derzeit mehrere leere LNG-Tanker auf dem Weg in den Golf von Oman oder bereits im Persischen Golf, zugleich liegen 15 mit katarischem LNG beladene Schiffe hinter Hormus fest.
Französische Kernkraft leidet weiter unter Hitze
Die hitzebedingten Einschränkungen der französischen Kernkraftproduktion sollen am Dienstag auf 4,8 GW beziehungsweise 7,6 Prozent der gesamten Reaktorkapazität steigen, nach rund 4,3 GW beziehungsweise 6,5 Prozent am Montag. Ursache sind hohe Wassertemperaturen und niedrige Flussstände, aufgrund derer EDF die Leistung flussgekühlter Anlagen aus Umweltgründen reduzieren muss. Besonders betroffen sind die beiden jeweils rund 1,5 GW großen Reaktoren Chooz 1 und Chooz 2 an der Maas, deren Wiederinbetriebnahme nun um vier Tage auf den 22. September verschoben wurde. Hintergrund ist neben den temperatur- und pegelbedingten Regelungen eine französisch-belgische Vereinbarung, die einen ausreichenden Wasserfluss der Maas sicherstellen soll. Trotz der wetterbedingten Einschränkungen dürfte die durchschnittliche französische Kernkraftproduktion in dieser Woche mit 40,4 GW deutlich über den 36,8 GW der Vorwoche liegen und damit den höchsten Stand seit sechs Wochen erreichen. Meteo France erwartet in Teilen des Landes Temperaturen von bis zu 36 Grad Celsius, bevor es ab Mittwoch abkühlen sollte.
Indien erhöht Kohletransporte zu Kraftwerken
Indien erhöht die Kohlelieferungen per Bahn an Kraftwerke, nachdem die Brennstoffvorräte bei zahlreichen Anlagen auf kritisch niedrige Niveaus gefallen sind. Bis zum 5. September stieg die Zahl der Kraftwerke mit weniger als 25 Prozent des erforderlichen Kohlebestands beziehungsweise Vorräten für weniger als drei Tage Stromerzeugung auf 58, verglichen mit 46 Ende August. Die Regierung reagiert mit höheren Lieferungen aus staatlichen und privaten Minen, wobei die Zahl der beladenen Kohlezüge für Kraftwerke zwischen dem 3. und 6. September von 370 auf 444 zunahm. Ursache der angespannten Versorgung sind unter anderem starke Regenfälle in wichtigen Förderregionen wie Odisha, Jharkhand und Chhattisgarh, die sowohl den Abbau als auch den Transport beeinträchtigt haben. Da Kohle rund drei Viertel der indischen Stromerzeugung stellt, bleibt eine stabile Brennstoffversorgung entscheidend für die Versorgungssicherheit und die Stabilität des Stromnetzes.
Deutschland: Unstimmigkeit in den Daten
Die Stimmungsbarometer der Unternehmen aus Deutschland (ifo-Geschäftsklima oder Einkaufsmanagerindizes) weisen seit geraumer Zeit nach oben und hielten somit die Hoffnung am Leben, dass sich zumindest eine konjunkturelle Belebung einstellen wird. Tatsächlich legte der preisbereinigte Auftragseingang in der Industrie im Juli sehr deutlich, und zwar saison- und kalenderbereinigt um 2,5 Prozent ggü. dem Vormonat zu, nach einem noch robusteren Plus im Juni in Höhe von 3,7 Prozent. Gleichzeitig überboten sich die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute mit Anhebungen ihrer BIP-Prognosen für dieses und für nächstes Jahr, was in den öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen einseitig positiv gefeiert wurde.
Dort vergaß man jedoch auf ein wichtiges Detail hinzuweisen: Die Aufwärtsrevision für das BIP in 2026 erfolgte zum einen, weil das Statistische Bundesamt die BIP-Zahlen für das erste Quartal merklich nach oben revidiert hat, und zum anderen aufgrund der unerwartet guten Entwicklung in den ersten sechs Monaten, die allerdings ausschließlich auf dem Staatskonsum und den Exporten beruhte (Stichwort: KI-Investitionen in den USA). Bei den anderen Verwendungsaggregaten war für das erste Halbjahr dagegen kaum eine Erholung zu erkennen. So wird der private Konsum nach wie vor durch die Kaufkraftverluste aufgrund des Energiepreisanstiegs gedämpft und die privaten Ausrüstungsinvestitionen sind im zweiten Quartal nicht über ihr Niveau von vor zweieinhalb Jahren hinausgekommen. Gerade diese sind aber für einen nachhaltigen Aufschwung über die Erweiterung der Kapazitäten unerlässlich. Stattdessen gingen die privaten Ausrüstungsinvestitionen seit Anfang 2024 um nicht weniger als 11,0 Prozent zurück, während sich der Staat um 21,0 Prozent ausbreitete. Vor diesem Hintergrund stimmen wir mit der Einschätzung des DIW Berlin ausnahmsweise überein: „Die schwache Produktion dürfte im dritten Quartal in einem erneuten Rückgang der ohnehin kraftlosen privaten Investitionstätigkeit münden. Auch die Exporte werden ohne die Vorzieheffekte des zweiten Quartals und mit den Transporthemmnissen infolge des Niedrigwassers wohl wieder sinken. Der private Konsum dürfte angesichts der weiterhin hohen Inflation und einer abgeschwächten Einkommensentwicklung stagnieren. Auch im Wohnungsbau werden sich wegen des verstärkten Preisdrucks wohl kaum reale Zuwächse ergeben. Allein die öffentlichen Ausgaben dürften die Entwicklung weiter stützen.“
Unsere Einschätzung: Dazu passen die heutigen Industrieproduktionszahlen. Trotz Stimmungsaufhellung und robustem Auftragseingang kommt diese nicht vom Fleck. Im Juli sank die Industrieproduktion sogar preis-, saison- und kalenderbereinigt um 1,1 Prozent, was vor allem auf den Fahrzeugbau (minus 9,2%) zurückzuführen war. Dass sich die Industrieproduktion in den nächsten Monaten stramm nach oben entwickeln wird, ist u. E. unwahrscheinlich. Der Gegenwind resultierend aus höheren Energie- und Nahrungsmittelpreisen sowie anziehenden Staatsanleiherenditen ist dafür zu groß. Die Rohstoffmärkte bekommen also nicht nur von der Weltwirtschaft kaum und noch weniger von der deutschen Konjunktur Rückenwind.


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