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EMD vom 22.05.2026: Mautstraße von Hormus wird konkreter
22.05.2026
9:00
Uhr
Am Freitag vor dem langen Pfingstwochenende handeln die Energiemärkte bislang gemischt. TTF Gas und CO2 zeigen sich etwas fester, während der Strommarkt im Minus notiert. Die Hoffnungen auf eine baldige Lösung des Irankriegs haben sich in den letzten Tagen wieder reduziert. Zudem scheint der Iran aktiv an einem dauerhaften Mautsystem für die Straße von Hormus zu arbeiten. Am kommenden Pfingstmontag ist ein bundesweiter Feiertag, ebenso wie auch in vielen anderen europäischen Ländern. An den Energiebörsen EEX und ICE Endex wird jedoch gehandelt. Die ICE Endex schließt um 19:30 Uhr, so dass der Handel mit TTF- Futures von Montag auf Dienstag früher beendet sein wird als üblich.
Bullishe Faktoren

Der Iran verhandelt laut Bloomberg mit dem Oman über ein dauerhaftes Mautsystem für die Straße von Hormus, um die Kontrolle über den strategisch wichtigen Seeweg formell abzusichern. Die USA lehnen mögliche Transitgebühren strikt ab und warnen vor Folgen für den Welthandel und die internationale Schifffahrt. Teheran signalisiert zugleich, die Kontrolle über die Meerenge auch nach einem möglichen Kriegsende beibehalten zu wollen, unter anderem zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes. Die Unsicherheit belastet weiterhin die globalen Öl- und LNG-Märkte. Sollte die freie Schifffahrt in der Meerenge dauerhaft eingeschränkt werden, dürfte das Vorkriegsniveau an Tankerdurchfahrten auf lange Sicht nicht mehr erreicht werden. Kpler geht davon aus, dass in diesem Fall lediglich 40 Prozent des früheren Niveaus erreichbar wären. Damit wäre dies ein extrem bullishes Szenario.

Iran verschärft laut Reuters seine Haltung in den Verhandlungen mit den USA und lehnt eine Ausfuhr seines nahezu waffenfähigen Urans ab. Nach Angaben iranischer Quellen hat Ayatollah Mojtaba Khamenei angeordnet, dass die Bestände hoch angereicherten Urans das Land nicht verlassen dürfen, da Teheran sich sonst anfälliger für Angriffe durch die USA und Israel sieht. Die Entscheidung könnte die Gespräche über ein Ende des US-israelischen Konflikts mit Iran zusätzlich erschweren, da sowohl Präsident Donald Trump als auch die israelische Regierung auf den Abtransport des Materials drängen.

Die Einspeicherung verlangsamt sich weiter und bleibt deutlich hinter dem erforderlichen Tempo zurück. Am Mittwoch wurden EU-weit 1.236 GWh/Tag eingespeichert nach 1.806 GWh/Tag am Vortag und etwas weniger als die 1.392 GWh/Tag am Mittwoch der Vorwoche. In Deutschland wurden gar 83 GWh/Tag ausgespeichert nach einer Einspeicherung von 126 GWh/Tag am Vortag. Der 14-Tage-Durchschnitt der EU-weiten Netto-Einspeicherung liegt bei 2.096 GWh/Tag und damit erheblich unter den erforderlichen 2.951 GWh/Tag, um das EU-Ziel von 80 Prozent zum 1. November zu erreichen.

Der polnische Senat hat ein von Präsident Karol Nawrocki vorgeschlagenes Referendum zur EU-Klimapolitik und zum EU-ETS abgelehnt. Die Abstimmung gilt als früher Rückschlag für Nawrockis Versuch, die EU-Dekarbonisierungspolitik politisch anzugreifen, die er für steigende Energiepreise und sinkende Wettbewerbsfähigkeit verantwortlich macht. Das Referendum sollte die Bevölkerung darüber abstimmen lassen, ob EU-Klimamaßnahmen die Lebenshaltungskosten sowie die Kosten für Unternehmen und Landwirtschaft zu stark erhöhen.

Die Durchschnittstemperaturen steigen in den nächsten zwei Wochen deutlich über das Klimamittel von 15 Grad Celsius auf Werte von rund 20 Grad Celsius. Der Wetterdienst MetDesk sieht insbesondere im Juni das größte Risiko dieses Sommers für Probleme bei der Kühlung französischer Atomkraftwerke, da außergewöhnlich heiße und trockene Bedingungen erwartet werden. Für Frankreich und Deutschland prognostiziert das Unternehmen Temperaturen von rund 2,5 Grad über dem langjährigen Durchschnitt, wodurch Flusspegel sinken und Wassertemperaturen steigen könnten. In den Monaten Juli und August werden zwar ebenfalls überdurchschnittliche Temperaturen erwartet, die Signale für anhaltend trockene und heiße Wetterlagen seien dort jedoch deutlich weniger ausgeprägt. Ein heißer Juni könnte zudem Wasserreserven und Wasserkraftbestände frühzeitig belasten und damit das Risiko höherer Strompreise in Europa im weiteren Sommerverlauf erhöhen.

Die Windeinspeisung in Deutschland ist aktuell mit Werten zwischen 4 und 6 GW deutlich unter dem langjährigen Mittelwert von 11 GW. Höhere Einspeisungen werden ab Dienstag mit 12,6 GW und am Mittwoch mit 20,7 GW erwartet. Nach diesem Peak fällt die Windleistung wieder auf Werte um den langfristen Mittelwert.

Bearishe Faktoren

Die PV-Einspeisung ist aktuell deutlich erhöht. Bis zum Monatsende werden im Tagesmittel Werte von 20 bis 21 GW erwartet, rund 5 GW über dem langfristigen Mittelwert. Die Tagespeaks werden mit Werten zwischen 50 GW und 61 GW vorhergesagt. Für das bevorstehende lange Pfingstwochenende sind in der Mittagszeit somit negative Stundenpreise zu erwarten. Diese sind an der EPEX SPOT noch auf minus 500 Euro/MWh begrenzt. Ab dem 29.5. wird die Limitierung auf minus 600 Euro/MWh herabgesetzt.

Neutrale Faktoren

Die Gasflüsse aus Norwegen erholen sich weiter nach dem Ende der Großwartungen. Die Exportnominierung für den heutigen Tag liegt bei 267,4 mcm/d nach 231,9 mcm/d am Vortag, verbleibt jedoch deutlich unter den Jahreshöchstständen von fast 350 mcm/d. Ein Großteil der umfangreichen Wartungsarbeiten der vergangenen Tage ist nun abgeschlossen, allerdings bestehen an Troll und Kollsnes weitere Folgewartungen. Hinzu kommen kurzfristige Wartungen an der Verarbeitungsanlage Kårstø sowie an den Gasfeldern Oseberg und Kvitebjørn.

Die republikanische Führung im US-Repräsentantenhaus hat kurzfristig überraschend eine Abstimmung über eine Resolution verschoben, die den Iran-Krieg beenden sollte, falls Trump keine Genehmigung des Kongresses erhält. Laut dem Demokraten Gregory Meeks verfügte die Vorlage diesmal wahrscheinlich über eine Mehrheit, weshalb die Republikaner die Abstimmung auf Anfang Juni vertagten. Zuvor hatte der US-Senat bereits eine ähnliche Maßnahme verabschiedet, während vergleichbare Resolutionen im Repräsentantenhaus bislang mehrfach knapp scheiterten.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im 1.Quartal 2026 preis- und saisonbereinigt um 0,3 Prozent entsprechend der Erwartungen der Ökonomen gegenüber dem 4. Quartal 2025 gestiegen. Um 10:00 Uhr wird außerdem der Ifo-Geschäftklimaindex für den Mai erwartet.

Ab 10 Uhr finden Sie jeweils eine überarbeitete und finale Version unter dem Menüpunkt "Outlook".
Vorläufige Einschätzung

Aktuell überwiegen aus unserer Sicht weiterhin die bullishen fundamentalen Faktoren für die fossilen Energieträger. Der Iran arbeitet weiterhin an der Durchsetzung seiner neuen Maut-Behörde, diplomatische Durchbrüche sind auch nicht in Sicht. Zudem bleibt die Situation der europäischen Gasspeicher sehr angespannt, in Deutschland wurde am Mittwoch sogar wieder netto ausgespeichert. Die norwegischen Gasexporte nehmen zwar wieder zu, bleiben aber noch wartungsbedingt deutlich unter den Jahreshöchstständen. Insofern bleibt nur ein überraschender Durchbruch als bearishes Szenario. Wir sind vor dem Pfingstwochenende daher weiter bullish gestimmt für Öl, Gas, Kohle und Strom. Die EUAs sehen wir weiterhin neutral. Angesichts des langen Wochenendes dürfte das Handelsvolumen am Pfingstmontag relativ gering ausfallen, was die Gefahr von volatilen Ausschlägen erhöht, insbesondere für den Fall neuer Ereignisse im Nahen Osten.

enerchase connect 2026

Vernetzen. Verstehen. Vorausdenken.

01. Oktober 2026 in Wuppertal

Herausgeber:
EnerChase GmbH & Co. KG, (im Folgenden "enerchase"),
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Willich, eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Krefeld unter HRB 13893 diese vertreten durch die Geschäftsführer Stefan Küster und Dennis Warschewitz.
Autoren: Dennis Warschewitz, Stefan Küster, Tobias Waniek
Hinweis zur Methodik: Die Markteinschätzung beruht auf fundamentaler und technischer Analyse. Der Zeitrahmen, auf die sich die Tendenzaussagen beziehen, ist jeweils ein Tag. Die Tendenzen werden im täglichen Rhythmus veröffentlicht.
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