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EMD vom 16.06.2026: Abkommen, G7-Gipfel und Hitzewelle
16.06.2026
9:05
Uhr
Nach dem starken Preisverfall bei Strom und TTF Gas am gestrigen Montag eröffnen die Energiemärkte heute mit leichten positiven Vorzeichen. Wie schnell sich der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus normalisieren wird, ist immer noch unklar. Goldman Sachs geht von einer früheren Normalisierung, bereits Ende Juli aus. Das Rahmenabkommen ist laut Vance nun bereits elektronisch unterzeichnet, die persönliche Unterzeichnung bleibt für Freitag in der Schweiz geplant. Das Dokument ist allerdings nur eineinhalb Seiten lang und nach eigener Aussage von Vance „sehr allgemein“. Er betonte, dass die schwierigen Fragen noch in technischen Verhandlungen zu klären sind. Erste iranische Schiffe haben die US-Blockadezone nun passiert, die Straße von Hormus soll jedoch erst nach der formellen Unterzeichnung am Freitag geöffnet werden. Die nächsten Tage dürften die Energie- und Finanzmärkte stark bewegen, denn zu beachten bleiben auch die offenen Flanken wie der Konflikt zwischen Israel und dem Libanon. Netanyahu bekräftigte, Israel werde so lange wie nötig im Libanon bleiben.
Bullishe Faktoren

Trotz der Unterzeichnung einer Absichtserklärung bleiben offene Flanken bestehen: Der Libanon wurde nach eigenen Angaben weder über die Abkommensdetails noch über den Zeitpunkt eines Waffenstillstands informiert, obwohl das Rahmenabkommen dem Vernehmen nach ein Ende der Kampfhandlungen an allen Fronten vorsieht. Die Kämpfe zwischen Hisbollah und Israel gehen derweil weiter, Netanyahu bekräftigte, Israel werde so lange wie nötig im Libanon bleiben. Und die strategischen Ölreserven der USA sind aufgrund des Krieges auf den niedrigsten Stand seit Juli 1983 gefallen.

Die erwartete Hitzewelle erhöht in Frankreich das Risiko von Produktionskürzungen in Kraftwerken. Besonders im Fokus steht der EDF-Standort St Alban, dessen Reaktoren wegen Kühlwasserauflagen an der Rhone von Einschränkungen betroffen sein könnten. Meteo France erwartet, dass sich die Hitze ab Montag vom Süden nach Norden ausbreitet, mit bis zu 34 Grad Celsius im Rhonetal und bis zu 40 Grad Celsius im Landeszentrum bis Sonntag. Zudem sieht Meteo France eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass der Zeitraum von Juni bis August wärmer als normal ausfällt.

Ab morgen steigen die Durchschnittstemperaturen in Deutschland wieder deutlich über das langfristige Klimamittel von 18 Grad Celsius und erreichen Werte um 24 Grad Celsius. Die warmen Temperaturen halten voraussichtlich bis Anfang Juli an. Kommendes Wochenende werden Höchsttemperaturen von über 30 Grad Celsius erwartet. Zudem wird nach dem windigen Wochenende der Windertrag voraussichtlich auf schwache 6 GW sinken, am Sonntag sogar auf Tiefststände von 2,8 GW. Mehr Wind ist erst wieder ab dem 23. Juni zu erwarten.

Der Arbeitskampf am australischen Ichthys-LNG-Terminal spitzt sich weiter zu. Die Offshore Alliance hat angekündigt, die Streikmaßnahmen nun bis zum 6. Juli auszuweiten, nachdem die Fair Work Commission (FWC) den Antrag von Inpex abgelehnt hatte, die Maßnahmen auf nationaler Grundlage zu beenden. Ursprünglich sollten die Streiks am 23. Juni enden. Der Betreiber hatte der FWC mitgeteilt, nur noch vier Tage von vollen Tanks entfernt zu sein und kurz vor einer Abschaltung der Anlagen zu stehen.

Bearishe Faktoren

Zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran wurde von US-Präsident Donald Trump, Vizepräsident JD Vance und dem iranischen Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Qalibaf eine Absichtserklärung digital unterzeichnet. Die persönliche Unterzeichnung bleibt für Freitag in der Schweiz geplant. Das Dokument ist allerdings nur eineinhalb Seiten lang und nach eigener Aussage von Vance „sehr allgemein“.

Erste iranische Schiffe haben die US-Blockadezone im Golf von Oman bereits ohne Zwischenfälle passiert, nachdem Trump nach eigenen Angaben die sofortige Aufhebung der Seeblockade iranischer Häfen angeordnet hatte. Die Straße von Hormus selbst bleibt jedoch vorerst geschlossen und soll erst nach der formellen Unterzeichnung des Abkommens am Freitag in der Schweiz wieder geöffnet werden. Grund für die Verzögerung seien laut Trump notwendige Minenräumungsarbeiten in der Meerenge.

Auf dem G7-Gipfel in Frankreich teilte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit, dass Frankreich und Großbritannien voraussichtlich eine internationale Mission anführen werden, um die Straße von Hormus in den zwei bis drei Tagen nach der für Freitag geplanten Unterzeichnung des Friedensabkommens zu sichern.

Goldman Sachs und Morgan Stanley haben ihre Ölpreisprognosen nach der Einigung auf das Rahmenabkommen deutlich gesenkt. Goldman erwartet den Ölpreis Brent im vierten Quartal bei 80 US-Dollar/bbl, nach zuvor 90 US-Dollar/bbl, und geht davon aus, dass die Exporte aus dem Persischen Golf bis Ende Juli auf Vorkriegsniveau normalisiert sein werden. Morgan Stanley sieht Brent im dritten Quartal bei 90 US-Dollar/bbl, nach zuvor 100 US-Dollar/bbl, und im vierten Quartal ebenfalls bei 80 US-Dollar/bbl. Die Bank rechnet jedoch mit einem schrittweisen Wiederanlauf: Minenräumung, wiederhergestelltes Vertrauen bei Reedern und Versicherern sowie die Rückkehr umgeleiteter Tanker dürften mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Morgan Stanley geht davon aus, dass bis September 50 Prozent der ausgefallenen Produktion wieder verfügbar sein wird, bis Dezember 80 Prozent und der Rest Anfang 2027.

Die PV-Einspeisung nimmt ab Donnerstag zu und steigt auf überdurchschnittliche 19 GW.

Der belarussische Präsident Lukaschenko rief Russland und die Ukraine zur Kompromissbereitschaft auf und erklärte, ein militärischer Sieg sei für beide Seiten unrealistisch. Der enge Verbündete Putins räumte dabei ein, dass beide Kriegsparteien unter Soldatenmangel litten, auch wenn russische Truppen weiter vorrückten.

Neutrale Faktoren

Die Gasflüsse aus Norwegen bleiben stabil, liegen aber deutlich unter dem Niveau der Vorwoche. Die Exportnominierung für den heutigen Tag liegt bei 294,9 mcm/d nach 292,0 mcm/d am Vortag, rund 11,4 Prozent unter dem Dienstag der Vorwoche. Die gestrigen ungeplanten Ausfälle an den Gasfeldern Sleipner und Ekofisk wurden über Nacht behoben. Ein ungeplanter Ausfall an der Verarbeitungsanlage Kollsnes bleibt jedoch noch bis voraussichtlich morgen bestehen. Weiterhin laufen geplante Wartungen an Kollsnes, Kårstø, Troll und Nyhamna.

Der G7-Gipfel findet aktuell im französischen Evian statt. Themen sind unter Anderem die Lage im Nahen Osten und der Krieg in der Ukraine. Die Rede von US-Präsident Donald Trump wird mit besonderer Spannung erwartet. Neben den Regierungschefs werden auch Vertreter von Meta und Alphabet an dem Gipfeltreffen teilnehmen.

Die chinesischen Wirtschaftsdaten für Mai bestätigen das bestehende Bild. Während der Außenhandel, der letzte Woche mit beeindruckenden Steigerungsraten überzeugen konnte, die einzige echte Stütze der chinesischen Wirtschaft bildet, kommt die Inlandsnachfrage nicht in Schwung. Einzig die Industrieproduktion sticht positiv hervor und stieg im Mai um 4,5 Prozent zum Vorjahr. Damit wurde die Konsens-Prognosen von 4,3 Prozent übertroffen und ein Anstieg von dem im April verzeichneten 3-Jahrestief von 4,1 Prozent verzeichnet. Im Gegensatz dazu meldete das Nationale Statistikamt, dass die Einzelhandelsumsätze erstmals seit Dezember 2022 zurückgingen, und zwar um 0,6 Prozent zum Vorjahr. Die Analysten gingen im Vorfeld von einer Stagnation aus. Der Stärke des Verarbeitenden Gewerbes und des Exportsektor einerseits steht somit nach wie vor andererseits eine anhaltende Schwäche im Immobiliensektor und bei den Verbraucherausgaben gegenüber.

Nachdem die EZB letzten Donnerstag mit einer Erhöhung der Leitzinsen und 25 Basispunkte vorgelegt hatte, zog heute die Bank of Japan nach. Deren Schlüsselzins wurde auf 1,0 Prozent hochgeschleust. Dieser Schritt um plus 0,25 Prozentpunkte war allerdings zuvor bereits ausreichend angekündigt worden, so dass sich die Marktreaktionen in engen Grenzen hielten. Das Gleiche galt für die australische Notenbank (RBA), die ihren Leitzins wie erwartet bei 4,35 Prozent beließ. Die RBA will erst mehr Klarheit über die derzeit unsicheren Perspektiven für die Konjunktur und die Teuerung. Für die US-Notenbanksitzung am morgigen Mittwoch bedeutet dies, dass wohl keine Leitzinserhöhung erfolgen wird.

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Vorläufige Einschätzung

Die Einigung auf ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran hat bislang die erwartete Marktreaktion ausgelöst: Der Brent Crude Frontmonat notiert aktuell bei rund 82,70 US-Dollar/bbl, nachdem dieser Mitte der Vorwoche noch bei 95 US-Dollar/bbl stand. Der TTF Gas Frontmonat ist von knapp 51 Euro/MWh auf inzwischen rund 42,70 Euro/MWh gefallen. Nun bleiben jedoch noch die weiteren Ergebnisse abzuwarten, denn eine absolute Gewissheit liegt noch nicht vor. So ist eine tatsächliche Einstellung der Kämpfe zwischen Isreal und dem Libanon/Hisbollah noch ungewiss. Minenräumung, wiederhergestelltes Vertrauen bei Reedern und Versicherern sowie die Rückkehr umgeleiteter Tanker brauchen Zeit. Morgan Stanley rechnet erst bis September mit 50 Prozent der ausgefallenen Produktion, Goldman mit einer Normalisierung der Golfexporte bis Ende Juli. Hinzu kommen die sommerlichen Risiken: Hitze in Europa, drohende KKW-Einschränkungen in Frankreich und eine weiterhin zu schwache Gaseinspeicherung. Preisrücksetzer bieten daher weiterhin geeignete Einstiegsgelegenheiten. Unwahrscheinlich erscheint es dabei auch nicht, dass der Markt nach unten übertreibt, bis sich das „neue Normal“ eingependelt hat. Das wir das Preisniveau vor Kriegsbeginn nachhaltig erreichen und dann auch halten können, erscheint somit weniger aussichtsreich. Die EUAs profitieren wiederum von der Finanzmarkteuphorie. Ein Anstieg über 80 Euro/t CO2 dürfte das Kaufinteresse weiter befeuern und ggf. auch die Spekulanten zu Long-Position ermutigen.

enerchase connect 2026

Vernetzen. Verstehen. Vorausdenken.

01. Oktober 2026 in Wuppertal

Herausgeber:
EnerChase GmbH & Co. KG, (im Folgenden "enerchase"),
Sitz:
Willich, eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Krefeld unter HRB 13893 diese vertreten durch die Geschäftsführer Stefan Küster und Dennis Warschewitz.
Autoren: Dennis Warschewitz, Stefan Küster, Tobias Waniek
Hinweis zur Methodik: Die Markteinschätzung beruht auf fundamentaler und technischer Analyse. Der Zeitrahmen, auf die sich die Tendenzaussagen beziehen, ist jeweils ein Tag. Die Tendenzen werden im täglichen Rhythmus veröffentlicht.
Mögliche Interessenkonflikte:
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