DailyReport Energy Market Drivers
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Die Sorge, Teheran könnte auf die gestiegenen Ausfuhren durch die Straße von Hormus bei gleichzeitiger Blockade der eigenen Exporte mit einer Eskalation reagieren, hat sich bewahrheitet. Der Iran hat zuletzt die Frequenz seiner Angriffe erhöht und nun erstmals seit September einen Öltanker vor der Küste Katars attackiert. Ungewöhnlich war dabei, dass das Schiff von gleich mehreren Projektilen getroffen wurde. Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist entsprechend auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Monaten gefallen. Laut Kpler passierten am Dienstag lediglich sieben Frachtschiffe die Meerenge, am Mittwoch waren es zehn, nachdem am Sonntag und Montag jeweils mehr als 20 Schiffe gezählt worden waren.
Im Zuge der jüngsten Tankerangriffe seitens Teheran soll laut dem Atlantic das Weiße Haus Optionen prüfen den Iran noch vor den Midterm-Wahlen am 03.11. anzugreifen.
Hurrikan Isaias erreicht am Donnerstagmorgen Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h und ist damit ein Hurrikan der Kategorie 1. Laut Zoom Earth wird er voraussichtlich am Samstag im Bereich von Alabama und Mississippi auf die US-Küste treffen. Betroffen sein könnte insbesondere das LNG-Terminal bei Pascagoula (Gulf LNG). Dies könnte die US-LNG-Exporte leicht beeinträchtigen. Laut GRM haben Shell und Chevron auch bereits Teile ihrer offshore Öl-Förderung heruntergefahren, wodurch am Mittwoch die Förderung um 0,5 Millionen Barrel pro Tag.
Die neuesten Modellläufe zeigen für den Zeitraum zwischen dem 22.10. und dem 01.11. statt überdurchschnittlicher, nun leicht unterdurchschnittlicher Temperaturen zwischen 9 und 10 Grad Celsius.
Aktuell werden norwegische Gasexporte durch Ausfälle gedämpft. Die wichtigste laufende Belastung bleibt Nyhamna, wo zwei getrennte Wartungen bis zum 24. Oktober gleichzeitig wirken und im Überlappungszeitraum gemeinsam 28,6 Mio. Kubikmeter pro Tag reduzieren. Hinzu kommen der vollständige Dvalin-Ausfall mit 8,9 Mio. sowie die seit heute laufende ungeplante Einschränkung an Heidrun mit 5,3 Mio. Kubikmetern pro Tag. Bei Dvalin folgt ab dem 10. Oktober unmittelbar eine weitere Begrenzung von 6,9 Mio. Kubikmetern pro Tag, sodass zunächst keine vollständige Entspannung absehbar ist. Ab dem 21. Oktober kommen Wartungen an Troll mit 12,0 Mio. und ab dem 22. Oktober an Oseberg mit 27,5 Mio. Kubikmetern pro Tag hinzu. Das spricht kurzfristig für ein eingeschränktes norwegisches Angebot, wobei die Gesamtzahl der Exportnominierungen 327,5 Mio. Kubikmeter pro Tag im Jahresvergleich hoch ist.
Die Gasspeicher bleiben mit Füllständen von 73,0 Prozent (EU) und 59,3 Prozent (DE) deutlich unter Vorjahr, der Rückstand schrumpft aber weiter leicht auf 9,9 bzw. 16,9 Prozentpunkte (Vortag: 10,0 bzw. 17,2). Die Einspeicherung selbst ließ am Dienstag allerdings nach. EU-weit stiegen die Entnahmen auf 510 GWh/Tag (Vorwoche: 120 GWh/Tag), die Netto-Einspeicherung sank auf 1.287 GWh/Tag und lag damit 44,9 Prozent unter dem Vorwochenwert. In Deutschland fiel die Netto-Einspeicherung auf 176 GWh/Tag (minus 62,6 Prozent gegenüber der Vorwoche), die Entnahmen zogen auf 35 GWh/Tag an. Der kleinere Rückstand geht vor allem auf die schwache Vorjahresbasis zurück, denn vor einem Jahr stagnierten die Speicher EU-weit nahezu und in Deutschland wurde sogar netto ausgespeichert.
QatarEnergy will den ersten LNG-Zug des North-Field-East-Projekts laut Reuters bereits im November betriebsbereit machen, während die eigentliche LNG-Produktion nach Angaben von mit den Plänen vertrauten Personen im ersten Quartal 2027 beginnen soll. Gleichzeitig hat QatarEnergy laut Bloomberg mindestens zwölf leere LNG-Tanker mit einer gemeinsamen Kapazität von rund 1,1 Millionen Tonnen LNG in Gewässern nahe Katar zusammengezogen, was auf Vorbereitungen für eine mögliche Ausweitung der Exporte hindeutet (mehr Details siehe Rückblick).
Die Winderträge sind für die restliche Woche mit Werten zwischen 26 und knapp 37 GW sehr hoch, weniger Einspeisung wird allerdings in KW 42 erwartet. Dafür ist am heutigen Donnerstag die PV-Leistung mit 4 GW zwar recht schwach, in den kommenden Tagen steigt die Solareinspeisung jedoch kontinuierlich mit einer vorläufigen Spitze von 11 GW am Dienstag.
Die US-LNG-Exporte stiegen im September laut vorläufigen Kpler-Daten gegenüber August um 3,7 Prozent auf 10,60 Millionen Tonnen und lagen damit rund 17 Prozent über dem Vorjahresniveau. Haupttreiber waren die Wiederaufnahme höherer Produktionsmengen an den LNG-Terminals Freeport und Corpus Christi nach Wartungsarbeiten sowie steigende Ausfuhren aus Plaquemines. Die Lieferungen nach Europa erhöhten sich auf 5,67 Millionen Tonnen und machten 53 Prozent der gesamten US-Exporte aus. Auch die Lieferungen nach Asien stiegen auf 3,26 Millionen Tonnen, rund 75 Prozent mehr als im Vorjahr.
Laut Reuters sprechen russische und US-Vertreter, darunter Jared Kushner und Putin-Vertrauter Kirill Dmitriev, über den Einstieg eines US-Investors bei Nord Stream. Ziel wären mögliche russische Gaslieferungen nach Europa nach Kriegsende. Ein Neustart gilt jedoch mittelfristig als unwahrscheinlich: US- und EU-Sanktionen, komplizierte Eigentumsverhältnisse und der Widerstand Deutschlands sowie weiterer europäischer Staaten stehen dem entgegen. Das Weiße Haus bestreitet zudem jüngste Nord-Stream-Gespräche. Parallel wird über den Verkauf ausländischer Lukoil-Anlagen an ein Konsortium mit US-Beteiligung verhandelt. Kritiker befürchten, dass solche Geschäfte Russland stärken und Europa politisch spalten könnten.
Am Donnerstag steigt die Verfügbarkeit der französischen Kernkraftwerke gegenüber der Vorwoche um 5,4 GW auf 38,2 GW beziehungsweise 60,6 Prozent, liegt damit aber 0,6 GW unter dem Vortag und am unteren Ende der Vorjahre, nur 2022 lag zu dieser Zeit tiefer. Der umweltbedingte Ausfall liegt bei 4,1 GW beziehungsweise 6,5 Prozent und sinkt am Freitag im Tagesmittel auf 3,0 GW beziehungsweise 4,8 Prozent. Chooz 1 und Chooz 2 fehlen umweltbedingt noch bis zum 20.10. Premierminister Lecornu hat EDF am Mittwochabend aufgefordert, die Erzeugung unter Einhaltung der Sicherheitsanforderungen zu maximieren, um steigende Strompreise im Winter zu verhindern.
Die Lage im Nahen Osten hat sich erneut deutlich verschärft. Die Befürchtung, dass der Iran auf die gestiegenen Energieexporte durch die Straße von Hormus bei gleichzeitiger Blockade seiner eigenen Ausfuhren mit weiteren Angriffen reagieren könnte, hat sich inzwischen bewahrheitet. Erstmals seit September wurde wieder ein Öltanker vor der Küste Katars getroffen. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist daraufhin auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Monaten gefallen. Damit gerät die zwischenzeitliche Erholung der Lieferungen aus der Golfregion erneut ins Stocken. Auch die Berichte über mögliche weitere militärische Schritte der USA gegen den Iran erhöhen die Unsicherheit.
Zusätzliche Risiken gehen derzeit vom Hurrikan Isaias aus, der am Wochenende auf die US-Golfküste treffen dürfte. Erste Einschränkungen bei der Offshore-Ölförderung sind bereits zu beobachten. Inwieweit auch LNG-Anlagen betroffen sein werden, bleibt dagegen abzuwarten. Für den europäischen Gasmarkt kommt diese Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Hoffnung auf Entlastung machen zwar die Vorbereitungen von QatarEnergy auf eine mögliche Ausweitung der Lieferungen. Mit dem geplanten Produktionsstart des North-Field-East-Projekts Anfang 2027 könnte sich das globale LNG-Angebot perspektivisch weiter verbessern. Aktuell hängt die tatsächliche Verfügbarkeit zusätzlicher Mengen aus Katar allerdings von der Sicherheitslage in der Straße von Hormus ab. Angesichts der erneuten Eskalation und der gestiegenen Versorgungsrisiken bleiben wir für Öl, Gas, Kohle und Strom bullish. Die EUAs sehen wir weiterhin neutral.
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