CO2 - Marktbericht

EUA-Rebound verpufft – Unsicherheit bleibt
Zum Wochenabschluss der vergangenen KW 16 stieg der EUA-Dez-26-Future auf 78,07 Euro/t CO2 im High und schloss bei 76,80 Euro/t CO2. Damit überwanden die EUAs kurzfristig die 75-Euro-Marke. Die Aussicht auf eine mögliche Entspannung im Iran-Konflikt beflügelte die Aktienmärkte und wirkte auch stützend auf die EUAs. In der aktuellen Handelswoche 17 flacht der Aufwind allerdings wieder ab, am Donnerstagnachmittag notiert der Dezember-Future knapp unterhalb von 75 Euro/t CO2. Eine rasche Entspannung in Nahost ist nicht in Sicht. Der Iran scheint die Pattsituation rund um die Straße von Hormus bewusst in die Länge zu ziehen, um den Druck auf die USA zu erhöhen. Teheran hat eine Aufhebung der US-Seeblockade zur Voraussetzung für neue Friedensgespräche gemacht und greift gleichzeitig Frachtschiffe an. Damit bleibt die strategisch wichtige Straße von Hormus weitgehend blockiert. Seine gestern noch auf unbestimmte Zeit verlängerte Frist für den Iran konkretisierte US-Präsident Donald Trump zudem nun auf drei bis fünf Tage.
Italien fordert Stopp der ETS-Benchmark-Verschärfung
Italien hat die EU erneut aufgefordert, die geplante Verschärfung der ETS-Benchmarks für kostenlose CO2-Zertifikate auszusetzen. Die italienische Regierung warnt per Brief an die EU-Kommission, dass strengere Vorgaben die Kosten für energieintensive Industrien deutlich erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit Europas schwächen könnten. Konkret plädiert Italien dafür, die aktuellen Benchmark-Werte aus dem Zeitraum 2021–2025 vorerst beizubehalten. Hintergrund ist, dass die EU-Kommission laut internen Überlegungen die Benchmarks im Schnitt um etwa 17 Prozent verschärfen will, was die Menge kostenloser Zertifikate reduzieren würde. Rom befürchtet erhebliche negative Folgen für Schlüsselindustrien wie Keramik, Zement und Aluminium. Unternehmen müssten dann einen größeren Teil ihrer Emissionen am Markt abdecken, was Kosten steigert und das Risiko von Carbon Leakage erhöht. Zusätzlich kritisiert Italien die regulatorische Unsicherheit: Eine kurzfristige Änderung vor der umfassenden Reform des Emissionshandels (ab Juli 2026 geplant) könne Investitionsentscheidungen erschweren. Daher fordert die Regierung, die Anpassung zu verschieben und erst im Zuge der großen ETS-Reform umzusetzen. Als Zwischenlösung schlägt Italien ein Einfrieren der Benchmarks vor. Damit dies wirksam ist, müsse jedoch auch der sogenannte Cross-Sectoral Correction Factor (CSCF) angepasst werden, da dieser sonst die Menge kostenloser Zertifikate automatisch wieder kürzen würde.
EU genehmigt Industriestrompreis
Die EU-Kommission hat Deutschlands Plan für einen Industriestrompreis genehmigt, der energieintensive Unternehmen mit insgesamt 3,8 Milliarden Euro über drei Jahre entlasten soll. Die Förderung erlaubt es, für bis zu 50 Prozent des Stromverbrauchs Preisnachlässe von maximal 50 Prozent zu gewähren, wobei eine Untergrenze von 50 Euro/MWh gilt. Die tatsächliche Auszahlung erfolgt rückwirkend auf Basis der realen Strompreise und Verbräuche in den Jahren 2026 bis 2028. Unklar bleibt, wie der Industriestrompreis mit bestehenden Kompensationsmechanismen für CO2-Kosten kombiniert werden kann. Gleichzeitig sollen Unternehmen verpflichtet werden, einen Teil der Beihilfen in effizientere Anlagen zu investieren, während mögliche Regelanpassungen im Kontext geopolitischer Spannungen diskutiert werden.
CoT-Report: Short-Covering statt echtem Long-Aufbau
In der Berichtswoche zum 17. April 2026 ist die Netto-Long-Position der Investmentfonds um 6,7 Mio. EUA auf 41,4 Mio. EUA angestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 19,4 Prozent gegenüber der Vorwoche und ist das höchste Niveau seit mehreren Wochen. Auf der Long-Seite reduzierten die Fonds ihre Positionen leicht um 1,9 Mio. EUA auf 69,0 Mio. EUA. Der Rückgang von 2,7 Prozent setzt den seit Januar laufenden Abbau fort, wenngleich das Tempo deutlich nachgelassen hat. Von den Hochständen über 150 Mio. EUA Anfang des Jahres haben die Fonds ihre Longs mittlerweile mehr als halbiert. Auf der Short-Seite wurde die Position um 8,6 Mio. EUA auf 27,5 Mio. EUA zurückgefahren, ein Rückgang von 23,8 Prozent innerhalb einer Woche. Damit haben die Fonds ihre Shorts in vier aufeinanderfolgenden Wochen von 48,7 Mio. EUA auf nunmehr 27,5 Mio. EUA nahezu halbiert. Das Niveau liegt wieder annähernd auf dem Tiefstand von Anfang 2026. Der Preisanstieg der Vorwoche wurde somit durch Short-Covering gestützt.
CO2-Markt ohne klare Richtung – EUA-Future bleibt unter 75-Euro-Marke
Im Fokus des europäischen Emissionshandels stehen weiterhin mögliche Markteingriffe aus Brüssel, die Wahrscheinlichkeit für sehr gravierende Änderungen hat sich nach den jüngsten Äußerungen aus der EU-Kommission jedoch verringert. Der Markt wartet nun auf mehr regulatorische Klarheit. Entsprechend bewegt sich der EUA-Dez-26-Future nach dem technischen Rebound bis zur 75-Euro-Marke zuletzt seitwärts. Intraday notierte der Kontrakt zwischenzeitlich über 75 Euro/t CO2, ein Tagesschlusskurs oberhalb dieser Marke wurde jedoch nicht erreicht. Stützend wirkt die positive Stimmung an den Finanzmärkten vor dem Hintergrund weiterer Friedensverhandlungen.
Investmentfonds leicht bullish positioniert
Laut jüngstem Commitments of Traders-Report der ICE Endex für die Woche zum 10. April haben die Investmentfonds bei den EUAs den symmetrischen Positionsabbau der Vorwochen beendet und verschoben ihre Gewichtung leicht zugunsten der Long-Seite. Die Netto-Long-Position der Investmentfonds stieg um 1,9 Mio. EUA auf 34,7 Mio. EUA, was einem Zuwachs von 5,8 Prozent gegenüber der Vorwoche entspricht. Dieser Trend kann als erstes zaghaftes Richtungssignal nach einem kontinuierlichen Abbau der Long-Positionen seit Mitte Januar gewertet werden. Auf der Short-Seite setzten die Fonds den Rückzug fort, das Niveau nähert sich den Tiefständen vom Jahresanfang. Die leichte Verschiebung deutet darauf hin, dass Investmentfonds den preislichen Boden bei den EUAs vorerst als erreicht einschätzen. Da jüngste Veröffentlichungen der EU zu Markteingriffen keinen weiteren Verkaufsdruck auslösten, bewerten die Fonds einen starken regulatorischen Eingriff derzeit als unwahrscheinlicher.
Rückgang der ETS-Emissionen 2025
Die am vergangenen Freitag veröffentlichten vorläufigen Emissionsdaten der EU-Kommission (Verified Emission) zeigen auf den ersten Blick einen deutlichen Emissionsrückgang im EU-ETS. Die Emissionen im europäischen Emissionshandelssystem sind 2025 demnach für rund 9.800 Anlagen um 9 Prozent auf rund 1.077 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent gesunken. Allerdings haben zum Veröffentlichungszeitpunkt noch nicht alle Anlagen gemeldet. Bereinigt um fehlende Meldungen wird der tatsächliche Rückgang auf 1,3 bis 1,5 Prozent geschätzt. Zwischen den Sektoren zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Die Stromerzeugung blieb nahezu stabil: Gaskraftwerke behaupteten ihre Position trotz eines erneuten Rekordjahres der Erneuerbaren. Die Industrie hingegen verzeichnete ein Minus von 2,4 bis knapp 3 Prozent, was die anhaltende konjunkturelle Schwäche energieintensiver Branchen widerspiegelt.
EU-Parlament beschließt ETS2-Kompromiss
Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat einen Kompromiss zur Reform der Marktstabilitätsreserve im neuen Emissionshandelssystem ETS2 beschlossen, der die Gültigkeit von Zertifikaten bis 2033 vollständig und bis 2035 teilweise verlängert. Ziel ist es, Preisschwankungen zu begrenzen und gleichzeitig soziale Auswirkungen abzufedern, unter anderem durch Mechanismen wie eine Preisobergrenze von 45 Euro und den Sozialklimafonds. Zudem sollen überschüssige Zertifikate ab 2034 schrittweise gelöscht werden, während gleichzeitig Maßnahmen zur Senkung der Nachfrage nach Emissionsrechten gefordert werden. Die Reform bleibt politisch umstritten, da einige Staaten steigende Energiekosten befürchten, während Unternehmen und andere Länder auf Planungssicherheit und ambitionierte Klimaziele drängen.
EU enttäuscht Hoffnungen auf kurzfristige CO2-Preisdämpfung
In der Handelswoche 14 legten die Emissionszertifikate bis Mittwoch weiter zu und die 75-Euro-Marke wurde beim EUA-Dez-26-Future erneut von unten getestet. Allein am Mittwoch, den 1. April, nahm der Kaufdruck spürbar zu, nachdem die EU-Kommission mit der veröffentlichten Reform der Market Stability Reserve (MSR) die Erwartungen an eine Entlastung im CO2-Markt nicht erfüllte. Nach der Rede von US-Präsident Trump zum Iran-Krieg in der Nacht auf Donnerstag gaben die EUAs mit schwächeren Aktienmärkten jedoch wieder deutlich ab und schlossen am Freitag 4,5 Prozent tiefer. In der laufenden KW 15 kann der CO2-Markt keine klare Richtung einschlagen. Die Reaktion auf den Waffenstillstand fällt im Vergleich zu den Öl- und Gasmärkten moderat aus, vielmehr bleiben die weiteren regulatorischen Schritte aus Brüssel abzuwarten.
MSR-Reform beschränkt sich auf Abschaffung der Löschregel
Statt strukturell in das Angebotsregime einzugreifen, beschränkt sich der Vorschlag der EU-Kommission auf die Abschaffung der Löschung überschüssiger Zertifikate – ein Schritt, der kurzfristig keine zusätzlichen Mengen in den Markt bringt. Zentrale Parameter wie die Entnahmerate von 24 Prozent und die relevanten Schwellenwerte bleiben unverändert. Das System verbleibt damit in seiner bisherigen Knappheitslogik. Die Grundzüge der Reform waren bereits am Montag, den 30. März, von Bloomberg vorab veröffentlicht worden. Mittelfristig ist aber nicht auszuschließen, dass mit der für den Sommer angekündigten ETS-Überarbeitung stärker in die Angebotsseite eingegriffen wird.
Benchmark-Anpassung zugunsten der Chemieindustrie
Parallel plant die EU-Kommission laut Handelsblatt, die Benchmarks für die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten moderat anzupassen. Insbesondere die chemische Industrie und Raffinerieanlagen sollen entlastet werden. Die Kommission nutzt dabei ihren Ermessensspielraum, um die regulär vorgesehene Verschärfung so gering wie möglich zu halten. In den kommenden Wochen startet eine Konsultationsphase, bevor ein Expertengremium konkrete Vorschläge vorlegt, die rückwirkend für 2026 gelten sollen.
Italien verlängert Kohlelaufzeiten und subventioniert Gasverstromung
Das italienische Parlament hat ein Dekret beschlossen, das den Einfluss von Gaspreisen auf Strompreise begrenzen soll, unter anderem durch Erstattungen für Gastransportkosten und CO2-Zertifikate. Gleichzeitig wurde die Laufzeit von Kohlekraftwerken bis Ende 2038 verlängert, was den ursprünglich geplanten Ausstieg um 13 Jahre verschiebt. Die Maßnahmen bedürfen der Prüfung durch die Europäische Kommission im Hinblick auf die EU-Emissionshandelsregeln. Nachdem die EU offenbar kurzfristig keine Maßnahmen zur Verringerung der CO2-Kosten für die Industrie auf den Weg bringt, geht Italien seinen Weg weiter. Das Land ist stark von Gaskraftwerken abhängig und daher besonders von der Nahostkrise betroffen.
CBAM-Preis für das erste Quartal 2026 festgelegt
Die Europäische Kommission hat den CBAM-Zertifikatspreis für das erste Quartal 2026 auf 75,36 Euro/t CO2 festgelegt. Grundlage ist ein volumengewichteter Durchschnitt der Emissionsauktionen. Der Mechanismus betrifft CO2-intensive Importgüter wie Stahl, Zement und Wasserstoff. Ab 2027 ist eine wöchentliche Preisfestlegung sowie ein zentraler Zertifikathandel vorgesehen.
EUAs blicken nach Brüssel – Ungewissheit über Reformausmaß
Während die fossilen Energieträger in der vergangenen Woche weiter dynamisch nach oben schnellten, gerieten die EUAs bis Freitag unter massiven Verkaufsdruck durch die Signale des EU-Gipfels. Die Aussicht auf eine Reform der Marktstabilitätsreserve (MSR) und eine mögliche Aufweichung des Emissionshandels zur Entlastung der Industrie drückte die Notierungen bis auf ein Wochentief von rund 63 Euro/t CO2. Zum Wochenabschluss am Freitag kam es jedoch zu einer signifikanten Gegenbewegung am Markt. Da die radikalsten Reformpläne, wie die von Italien geforderte Aussetzung des Systems, in der Abschlusserklärung des EU-Gipfels fehlten, wurden die zuvor extrem bearishen Erwartungen korrigiert. Auch in der aktuellen Handelswoche setzte sich der Kaufdruck bis Mittwochnachmittag weiter fort, mit einem bisherigen Wochenhoch bei 73,16 Euro/t CO2. Am Nachmittag kam es dann jedoch zu Verkaufsdruck.
Headline-Trading führt zu kurzem Verkaufsdruck
Am Mittwochnachmittag gegen 15:30 Uhr stieg das Verkaufsinteresse im EU-ETS, nachdem ein Bericht der Financial Times („Brussels plans carbon price brake as Iran war squeezes industry“) nahelegte, dass die Europäische Union plane, einen „Preisbremsmechanismus" einzuführen. Der Bericht sorgte jedoch für Irritation, da er lediglich bereits bekannte Inhalte von Ende letzter Woche wiederholte. Daher werden algorithmische Verkäufe vermutet, die die Schlagzeile als bearishes Signal interpretiert hatten. Die aktuellen CoT-Daten zeigen zudem, dass die Investmentfonds ihre Netto-Long-Positionen in der vergangenen Woche erneut reduziert haben. Mit einem Rückgang um 45,6 Prozent fiel der Abbau kräftig aus, die Netto-Longs liegen nun auf dem niedrigsten Stand seit August 2025.
Warten auf Reformentscheidungen
Insgesamt bleibt der Fokus auf der EU-Politik. Vor Ostern sollen Anpassungen an der Marktstabilitätsreserve (MSR) verkündet werden, weswegen die Marktteilnehmer aktuell besonders auf Schlagzeilen zum EU-ETS schauen. Laut Reuters erwägt die EU, die automatische Löschung überschüssiger Zertifikate in der MSR zu beenden. Dabei handelt es sich offenbar um inoffizielle Aussagen von EU-Vertretern. Diese Maßnahme würde zwar das Volumen in der MSR erhöhen, aber kurzfristig nicht entlastend wirken. Abzuwarten bleibt nun der finale Kompromiss. Mehrere Mitgliedstaaten drängen weiter auf eine Beschleunigung der ETS-Reform, teils verbunden mit Forderungen nach temporären Eingriffen zur Entlastung der Industrie. Andere Länder betonen die Bedeutung stabiler CO2-Preissignale für langfristige Investitionen in erneuerbare Energien und die Transformation der europäischen Wirtschaft. Laut der Abschlusserklärung des EU-Gipfels soll die EU-Kommission bis Juli 2026 die Ergebnisse des geplanten ETS-Reviews vorlegen. Die daraus folgenden Reformen sollen bis Ende 2027 beschlossen werden. Angesichts der langwierigen Entscheidungsprozesse in der EU ist mit einem Inkrafttreten größerer Reformen allerdings nicht vor 2030 zu rechnen.
Klimaschutzprogramm und Debatte um Flexibilität bei EU-Klimazielen
Bundesumweltminister Carsten Schneider legte dem Kabinett einen Entwurf für das Klimaschutzprogramm vor, das eine Senkung der Emissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 vorsieht. Gemäß Klimaschutzgesetz muss das Programm zwölf Monate nach Beginn der Wahlperiode beschlossen werden. Insbesondere in den Sektoren Verkehr und Gebäude liegt Deutschland erheblich hinter den Zielen zurück. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche forderte parallel mehr Flexibilität bei den europäischen Klimazielen, da wirtschaftliche Aspekte wie Wettbewerbsfähigkeit, Energieverfügbarkeit und Kosten stärker berücksichtigt werden müssten. Eine Ziellücke von fünf bis zehn Prozent bis 2050 schloss Reiche dabei nicht aus.
Nahostkonflikt beherrscht Schlagzeilen, Debatte um EU-ETS verschärft sich
Während an den Öl- und Gasmärkten der Krieg im Nahen Osten das beherrschende Thema bleibt, zeigen sich die Emissionszertifikate davon weitgehend entkoppelt. Im Vordergrund steht vielmehr die politische Debatte um den EU-ETS, in der auch gestiegene Gaspreise als Argument für Entlastungen von Verbrauchern und Industrie angeführt werden. Gleichzeitig zeigen die CoT-Daten der Investmentfonds, dass die Spekulanten bearish ausgerichtet bleiben. Preislich verlaufen Gas- und CO2-Märkte derzeit gegenläufig: Während der Gasmarkt zu Wochenbeginn zurückfiel, stabilisierten sich die EUAs erneut oberhalb der 70-Euro-Marke. In der zweiten Wochenhälfte kehrt sich das Bild wieder um, mit steigenden Gaspreisen und fallenden CO2-Preisen.
Italien und Deutschland fordern Entlastung beim EU-ETS
Im Vorfeld des EU-Gipfels am 19. März hat die Debatte um das europäische Emissionshandelssystem an Dynamik gewonnen. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni plant, eine vorübergehende Aussetzung der CO2-Kosten aus dem EU-ETS für Strom aus fossilen Brennstoffen vorzuschlagen. Als Hintergrund werden gestiegene Energiepreise und Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie genannt. Italien fordert diesen Schritt mindestens bis zur Normalisierung der globalen Preise für fossile Energien auf das Niveau vor der Nahostkrise. Für eine beschleunigte Überprüfung des Systems sprach sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz aus, der Entlastungen für Unternehmen und eine Vereinfachung der europäischen Regulierung befürwortet. Die EU-Kommission betonte demgegenüber, der Emissionshandel habe wesentlich zur Reduzierung des Gasverbrauchs beigetragen. Das System solle daher modernisiert, nicht abgeschafft werden.
Investmentfonds bauen Netto-Long-Positionen weiter ab
In der Berichtswoche zum 6. März 2026 hielt sich der EUA-Dez-26-Future mit einem Plus von 0,5 Prozent weitgehend stabil. Die Netto-Long-Position der Investmentfonds sank dennoch laut jüngster Commitment-of-Traders-Daten von 63,3 auf 52,4 Mio. EUA (minus 17,2 Prozent). Nach einem Rückgang von rund 5,6 Mio. EUA in der Vorwoche hat sich der Abbau damit wieder beschleunigt. Long-Positionen wurden von 99,9 auf 93,8 Mio. EUA reduziert, während Short-Positionen von 36,6 auf 41,4 Mio. EUA stiegen. Der gleichzeitige Abbau von Long- und Aufbau von Short-Positionen kennzeichnet die Ausrichtung der Fonds weiterhin als bearish.
Kernenergiegipfel in Paris: Atomkraft neu positioniert
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat auf dem Kernenergiegipfel in Paris die Abkehr von der Atomkraft als strategischen Fehler bezeichnet und neue EU-Risikoabsicherungen von 200 Millionen Euro für Investitionen in Atomtechnologien angekündigt. Zudem stellte sie eine europäische Strategie für kleine modulare Reaktoren in Aussicht, die bis Anfang der 2030er-Jahre einsatzbereit werden sollen und durch stärker harmonisierte Regeln schneller entwickelt werden könnten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warb ebenfalls für einen Ausbau der Kernenergie und verknüpfte dies mit Industriepolitik, etwa zur Versorgung von Rechenzentren und Anwendungen im Bereich künstliche Intelligenz mit CO2-freiem Strom. Insgesamt zeigt der Gipfel, dass Atomkraft in Europa wieder stärker als Instrument für Energiesicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und geringere Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen positioniert wird.





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