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Am Donnerstagmorgen legen die Energiemärkte kräftig zu. Die Rede von US-Präsident Trump in der vergangenen Nacht konnte die Märkte nicht beruhigen. Zwar wiederholte er seine Ankündigung aus den sozialen Medien, dass der Krieg in zwei bis drei Wochen beendet sei. Andererseits verstrickte er sich in Widersprüche: Wenn die USA den Krieg beendeten, würde die Straße von Hormus von alleine wieder geöffnet. Aber sollten der Iran sie nicht öffnen, würden die USA das Land „in die Steinzeit bombardieren, wo sie hingehören“ und Elektrizitätskraftwerke angreifen. Keine der Aussagen war neu. Die NATO erwähnte Trump nicht ein einziges Mal. Der heutige Handelstag ist der letzte vor dem langen Osterwochenende. An der EEX und der ICE Endex sind sowohl der Karfreitag als auch der Ostermontag handelsfreie „Börsenfeiertage“.
Bullishe Faktoren
Trump-Rede verursacht neue Sorgen
US-Präsident Trump zeigte sich in seiner Ansprache zum Iran-Krieg erneut optimistisch, lieferte jedoch keine neuen Informationen und ließ zentrale Fragen zur weiteren Strategie offen. Das verunsichert die Börsen und lässt die Energiemärkte wieder ansteigen. Die Rede war mit 20 Minuten für Trumps Verhältnisse sehr kurz. Er kündigte ein mögliches Kriegsende binnen zwei bis drei Wochen an und betonte zugleich eine weiterhin harte militärische Vorgehensweise. Insgesamt wirkte die Rede wie ein Versuch, die geringe öffentliche Unterstützung für den Krieg zu stärken. Zu den iranischen Atomanlagen sagte er, diese seien nach den Angriffen verschüttet und würden per Satellit überwacht. Sollte der Iran jemals den Versuch unternehmen, sie wieder zu öffnen, würde erneut mit Raketen angegriffen. Ein Einsatz von Bodentruppen zur Sicherung des iranischen Urans scheint damit keine Option mehr zu sein. Das bedeutet nicht, dass diese nicht für Angriffe auf iranische Inseln in der Straße von Hormus oder die Ölexportinsel Charg eingesetzt werden könnten.
TTF: Spekulative Netto-Long-Position angestiegen
Die gestern veröffentlichten CoT-Daten der ICE Endex zum TTF-Gasmarkt zeigen einen weiteren Aufbau der spekulativen Netto-Long-Position (siehe Chart). Diese befindet sich nun auf einem Rekordniveau. Einerseits zeigt dies, dass die Hedgefonds per 27.3. klar mit weiter steigenden Preisen gerechnet haben, wobei das absolute Niveau der Long-Positionen in der Vergangenheit schon höher war. Es ist vor allem die sehr niedrige absolute Short-Position, die für den Anstieg der Netto-Long-Position verantwortlich ist. Fallende Gaspreise scheinen für die Spekulanten also sehr unwahrscheinlich zu sein.
Bearishe Faktoren
Viel Wind in der ersten Aprilhälfte
Die ersten beiden Aprilwochen werden wie erwartet windig. Die vorläufige Spitze wird an Ostersonntag mit 30,3 GW prognostiziert und liegt damit deutlich über dem langjährigen Mittelwert von 14 GW.
Neutrale Faktoren
Norwegische Gaslieferungen stabil
Die norwegischen Gaslieferungen sind weiter stabil auf einem hohen Niveau. Die Exportnominierungen liegen bei 337,4 mcm/d. Es liegt nur eine geplante Wartung vor, die zu einem Ausfall von 4,7 mcm/d führt. Außerdem findet eine kleine ungeplante Wartung mit einem Ausfall von 5 mcm/d statt (Ekofisk, bis voraussichtlich 3.4.). Ab dem 9.4. sind größere geplante Wartungen vorgesehen.
EU-ETS: MSR-Reformen wenig überraschend
Für wenig Überraschungen hat die EU gestern mit der Veröffentlichung der Reformpläne für die Marktstabilitätsreserve gesorgt (siehe ausführliche Analyse im Recap). Die vorgelegten Reformen sind kurzfristig nicht geeignet, die Preise nach unten zu bewegen. Dies war aber zuvor bereits durchgesickert und weitestgehend eingepreist. Es bleibt nun weiterhin die Unsicherheit am Markt bestehen, welche weiteren Reformen in den kommenden Monaten ausgearbeitet werden. Die Volatilität sollte also hoch bleiben.
EUAs: Spekulanten kürzen Long- und Short-Positionen gleichermaßen
Die gestern von der ICE Endex veröffentlichten CoT-Daten zum EU-ETS haben gezeigt, dass die Spekulanten sowohl auf der Long-Seite als auch auf der Short-Seite ihre Positionen verringert haben. In der Folge hat sich die Netto-Position zum ersten Mal seit Monaten nicht deutlich reduziert. Offenbar ist das politisch unsichere Umfeld für die Spekulanten nicht mehr attraktiv genug, klare Positionen aufzubauen.
Wechselhafte PV-Einspeisung
Die PV-Einspeisung bleibt wechselhaft und fällt besonders an Karsamstag mit 6,5 GW schwach aus. Ab Ostermontag steigt die Leistung deutlich an, mit Werten zwischen 14 und 17 GW.
Die Durchschnittstemperaturen in Deutschland steigen ab Karsamstag auf Werte zwischen 10 und 16 Grad Celsius und liegen damit deutlich über dem Klimamittel von 8 Grad Celsius. Kühlere Temperaturen sind erst ab dem 10.4. zu erwarten.
Physische Knappheit in Asien steigt
Der Ölpreisschock sorgt insbesondere in Asien für eine reale Knappheit. Der südkoreanische Präsident Lee Ja Myung ruft seine Bürger dazu auf, jeden Tropfen Kraftstoff zu sparen. Südkorea hat bereits Steuersenkungen sowie Preisdeckel für Kraftstoffe eingeführt. Laut Myung ist ein Ende der Krise derzeit nicht absehbar. Auch Westaustralien hat aufgrund einer akuten Treibstoffknappheit Notfallbefugnisse aktiviert und verpflichtet Lieferanten dazu, detaillierte Informationen über ihre Lieferketten offenzulegen. Besonders hart getroffen sind die Philippinen: Das Land hat bereits den Energienotstand ausgerufen. Kurzfristige Entlastung könnten derzeit russische Lieferungen bringen. Sowohl Südkorea als auch die Philippinen haben bereits erste Erdöllieferungen erhalten.
Fazit
Die Börsen haben sich mehr Klarheit über das weitere Vorgehen der USA im Iran-Krieg von der Trump-Rede versprochen. So geht es uns auch. Stattdessen hat Trump sich und die USA zwar sehr gelobt und den Krieg versucht zu rechtfertigen, jedoch bei der wichtigen Frage der Straße von Hormus erneut widersprüchliche Aussagen getätigt. Es gab keine neuen Informationen. Seine markanten Drohungen sorgen dafür, dass sich an den Energiemärkten die Sorgen vor einer weiteren Eskalation in den kommenden Wochen wieder mehren. Sollten die USA ihre Angriffe weiter verstärken, könnte der Iran erneut Energieanlagen in der Golfregion unter Beschuss nehmen. Eine Öffnung der Straße von Hormus ist immer noch in weiter Ferne. Daher werden wir wieder bullish auf Öl, Gas, Kohle und Strom. Vor dem handelsfreien langen Osterwochenende liegen die Risiken wieder einmal auf der Oberseite. Die EUAs sehen wir neutral, hier wird nun weiter auf Reformen gewartet. Die angesichts der Energiepreisanstiege schwächelnde Wirtschaft sollte weiter steigende Notierungen jedoch unterbinden.
Hedging View
TTF Gas Cal 27: Der TTF Gas Cal 27 Future fiel am Donnerstag temporär unter die Marke von 40 Euro/MWh und damit unter das Verlaufstief von letzter Woche Mittwoch bei 39,80 Euro/MWh. Das Tagestief lag bei 38,5 Euro/MWh. Aufgrund des starken Ölpreisanstiegs in der Nacht zu Freitag startet Gas mit einem Aufwärts-Gap von 1,8 Euro/MWh bei 40,8 Euro/MWh in den Tag. Von der Preisentwicklung am heutigen Tag hängt charttechnisch einiges ab. Es besteht aber nach wie vor die Chance auf die Fortsetzung des kurzfristigen Abwärtstrends. Rund um die 40-Euro-Marke besteht weiterhin ein psychologischer Support auf welchem Hedging-Aktivitäten in Erwägung gezogen werden könnten. Unterhalb von 40 Euro/MWh scheint die charttechnische Fallhöhe durchaus ausgeprägt zu sein.
Strom Cal 27 Base: Der Strom Cal 27 Base Future ist am Donnerstag temporär unter das Verlaufstief von letzter Woche Mittwoch bei 93,52 Euro/MWh gefallen und hat damit den kurzfristigen Abwärtstrend bestätigt. Zur Eröffnung am Freitag steigt der Future um 2,1 Prozent an und handelt bei 93,70 Euro/MWh. Die Energiemärkte zeigen sich enttäuscht von der Rede Trumps in der Nacht zu Freitag. Deeskalierende Worte waren weniger zu hören, Kriegsrhetorik war dominant. Trotz der Aufwärtskurslücke von 2,26 Euro/MWh in der Eröffnung am Freitag bei 94 Euro/MWh hat sich aus Sicht der Trendanalyse beim Strom Cal 27 Base Future ein kurzfristiger Abwärtstrend etabliert. Damit könnte die 90-Euro-Marke weiter in Schlagdistanz geraten. Dieses Niveau stellt einen stärkeren Support dar, womit Hedging-Aktivitäten aus charttechnischer Sicht sinnvoll erscheinen.
EUA-Dez-26-Future: Der EUA-Dez-Future befindet sich in einer technischen Rebound-Phase und zeigt Signale einer sich fortsetzenden Erholung. Nachdem die 70-Euro-Marke nachhaltig überschritten wurde, rücken auf der Oberseite die Hochs der Vormonate bei aufgerundet 75 Euro/t CO2 in den Fokus. Ein nachhaltiger Ausbruch über 75 Euro/t CO2 wäre bullish zu werten. Auch am Donnerstag ist dieser Ausbruch erneut nicht geglückt, es kam aber zur Ausbildung eines „grünen Blocks“ (Long-Day-Candle). Damit zeigen sich die CO2-Bullen stärker. Können sie die Marke trotz fallender Aktienkurse am Freitag überwinden? Hieran sind berechtigte Zweifel angebracht. Im Falle nachgebender Kurse der EUAs befindet sich auf der 70-Euro-Marke fortan wieder eine psychologische Unterstützung. Bei einem Rückfall darunter sollten die Tiefs aus Februar und März bei 68 Euro/t CO2 erneut Halt bieten können.




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