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Energiemärkte im Sommerloch
14.08.2026
9:57
Uhr

Die Energiemärkte handeln am heutigen Freitag bislang seitwärts, konkrete Impulse aus Wirtschaft oder Politik bleiben Mangelware. Kritisch bleibt vor allem die Lage rund um die Straße von Hormus, wo erneut zwei Adnoc-Tanker angegriffen wurden. Zusätzlich sorgt Hegseths Ankündigung einer zeitlich unbegrenzten Iran-Blockade für wenig Hoffnung auf eine kurzfristige Lösung. Hinzu kommen die anhaltende Hitzewelle mit ihren Folgen für die französische Kernkraft sowie die europaweit schwache Wasserkraft. Auf der Gasseite bleibt das Bild ebenfalls angespannt: Die EU-weite Einspeicherung liegt weiterhin deutlich unter Vorjahresniveau.

Bullishe Faktoren

Erneut zwei Adnoc-Tanker in der Straße von Hormus angegriffen

Zwei Schiffe des staatlichen emiratischen Ölkonzerns Adnoc wurden in der Straße von Hormus angegriffen, Verletzte gab es laut der Nachrichtenagentur WAM nicht, Angaben zu Schäden lagen zunächst nicht vor. Die Vereinigten Arabischen Emirate machen den Iran verantwortlich und werten den Angriff als „eklatanten Verstoß" gegen die UN-Resolution 2817 zur Freiheit der Schifffahrt.

Pentagon hält zeitlich unbegrenzte Iran-Blockade für möglich

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, die US-Marine könne die Blockade iranischer Häfen durch den regelmäßigen Austausch von Schiffen zeitlich unbegrenzt aufrechterhalten und damit den wirtschaftlichen Druck auf Teheran fortsetzen. Gleichzeitig kontrolliert Iran weiterhin den Zugang durch die Straße von Hormus und greift Handelsschiffe an, die das Seegebiet ohne iranische Genehmigung passieren, während die USA die Schifffahrt zu und von nicht-iranischen Häfen schützen wollen.

Hitzebedingte KKW-Kürzungen in Frankreich auf Jahreshoch

Hitzebedingte Einschränkungen sollen die französische Kernkraftleistung am Montag um 8,8 GW beziehungsweise 13,9 Prozent der Flotte reduzieren, nachdem für Freitag sogar Kürzungen von 16,9 Prozent erwartet werden, dem höchsten Jahreswert. Zusätzlich stoppte EDF am Donnerstagabend ungeplant für 24 Stunden auch noch Block 1 in Gravelines (910 MW), womit die durchschnittliche Kernkraftverfügbarkeit am Freitag nun auf 34,8 GW beziehungsweise 55 Prozent der Flotte sinken dürfte, den niedrigsten Stand seit Mai 2025. Damit ist aktuell nur Block 2 und 6 in Gravelines am Netz, während Block 3 und 4 witterungs- beziehungsweise quallenbedingt weiterhin ausfallen und Block 5 ohnehin bis Dezember in Wartung ist. Erst für die kommende Woche ist mit einer Erholung der durchschnittlichen Verfügbarkeit auf 42,1 GW zu rechnen.

Gasspeicherstände bleiben deutlich unter Vorjahr

Die Gaseinspeicherung bleibt weiterhin zu gering. Am Mittwoch wurden EU-weit 2.974 GWh/Tag eingespeichert nach 2.952 GWh/Tag am Vortag und etwas mehr als die 2.573 GWh/Tag am Mittwoch der Vorwoche. Die Speicherstände liegen rund 12,6 Prozentpunkte unter Vorjahr. In Deutschland wurden 430 GWh/Tag eingespeichert nach 480 GWh/Tag am Vortag und etwas weniger als die 481 GWh/Tag am Mittwoch der Vorwoche. Die Füllstände liegen rund 16,2 Prozentpunkte unter Vorjahr.

Europaweit schwache Wasserkraft

Die Laufwasserkrafterzeugung in Österreich und der Schweiz liegt gegenüber dem Vorjahressommer um 46 beziehungsweise 26 Prozent niedriger, in der Schweiz mussten bereits erste kleinere Anlagen den Betrieb einstellen. Italiens Wasserspeicher erreichten laut Montel-Daten ein Rekordtief, auch die hydrologische Bilanz in fast ganz Europa liegt unter dem Normalwert, Ausnahmen bilden nur Spanien und Portugal. In Frankreich liegt die Wasserkrafterzeugung 70 Prozent unter Durchschnitt. Der niedrige Donau-Pegel hat zudem die Kernkraft in Ungarn und Rumänien unter Druck gesetzt: Ungarn musste sein Kernkraftwerk Paks zeitweise auf gut 10 Prozent drosseln und entging nur knapp der ersten Komplettabschaltung seit 44 Jahren, während Rumänien seinen letzten laufenden Reaktor am Donnerstag ganz vom Netz nehmen musste. Parallel bleibt der Rheinpegel angespannt, für Freitag werden rund 10 cm erwartet, am Wochenende zeichnet sich mit 7 cm am Samstag und 11 cm am Sonntag eine leichte Erholung ab.

Bearishe Faktoren

Hormus-Ölströme womöglich deutlich höher als erfasst

US-Energieminister Chris Wright zufolge passierten zuletzt fast 9 Millionen Barrel Öl pro Tag die Straße von Hormus, während Anbieter von Tanker-Bewegungsdaten lediglich etwa 4 bis 5 Millionen Barrel erfassen. Die tatsächlichen Mengen sind derzeit schwer festzustellen, da viele Tanker ihre Positionssignale abschalten, hochauflösende Satellitenbilder kaum verfügbar sind und Schiff-zu-Schiff-Transfers die Nachverfolgung zusätzlich erschweren. Mindestens 5 Millionen Barrel pro Tag lassen sich laut Bloomberg anhand verfügbarer Daten bestätigen, während unentdeckte Tankerbewegungen die tatsächlichen Mengen theoretisch auf 7 bis 9 Millionen Barrel erhöhen könnten.

US-Gaslager und -Gasförderung übertreffen Erwartungen

Die US-Energiebehörde EIA meldete für die Woche zum 7. August einen Lagerzuwachs von 36 Mrd. Kubikfuß, mehr als die laut LSEG von Analysten erwarteten 32 Mrd. Kubikfuß und deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt von 33 Mrd. Kubikfuß. Die US-Förderung in den unteren 48 Bundesstaaten kletterte im August bislang auf 111,2 Mrd. Kubikfuß pro Tag, nach bereits rekordhohen 110,7 Mrd. im Juli, während sich die Gaszufuhr zu den großen LNG-Exportanlagen im August leicht auf 17,1 Mrd. Kubikfuß pro Tag abschwächte.

Norwegische Gasflüsse erholen sich

Die Gasflüsse aus Norwegen erholen sich leicht. Die Exportnominierung für den heutigen Tag liegt bei 320,7 mcm/d nach 312,4 mcm/d am Vortag. Im Wochenvergleich liegt die Nominierung mit 320,7 mcm/d rund 2,6 Prozent über dem Niveau der Vorwoche. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein leichtes Plus von 0,7 Prozent. Der Anstieg ist auf das Ende der ungeplanten Wartung an der Verarbeitungsanlage Kollsnes sowie einer der geplanten Gullfaks-Wartungen zurückzuführen, die beide über Nacht beendet wurden. Weiterhin laufen geplante Wartungen an Gullfaks, Kvitebjørn und Kårstø. Die längerfristigen Ausfälle an Ormen Lange und Nyhamna bestehen fort.

Neutrale Faktoren

Temperaturen und Erneuerbare nähern sich langfristigem Durchschnitt

Die Temperaturen sind heute und morgen mit knapp 26 Grad Celsius noch deutlich überdurchschnittlich heiß zu erwarten, anschließend nähern sich die Werte dem saisonalen Mittel. In der KW 34 wird es laut jüngsten Modellläufen einzig Mittwoch bis Freitag mit durchschnittlich 20 bis 21 Grad Celsius wärmer als erwartet. Auch die Erneuerbaren nähern sich dem Klimamittel. Der Windertrag wird für die kommenden Tage bei circa 9,5 GW erwartet, leicht über dem aktuellen Mittelwert von 8,2 GW. Die PV-Einspeisung ist aktuell hoch, wird Anfang der kommenden Woche kurzzeitig merklich unter den langfristigen Mittelwert von 13 GW sinken und sich dann dem Normalniveau annähern.

Vance erwähnt gebührenfreie Hormus-Passage nicht mehr

US-Vizepräsident JD Vance erklärte, der Krieg werde mit einer gestärkten US-Position enden, eine zuvor von ihm geforderte offene und gebührenfreie Hormus-Passage erwähnte er dabei nicht mehr. Als oberstes Ziel nannte er bezahlbares Öl und Gas für die USA, als zweites die dauerhafte Verhinderung einer iranischen Atomwaffe, beide Ziele hält er für erreichbar, auch wenn die Lage angesichts der Unberechenbarkeit Irans schwer vorhersehbar bleibe.

Kushner reist zu Gaza-Gesprächen nach Israel und Kairo

Jared Kushner reist am Sonntag gemeinsam mit dem Friedensrat-Vertreter Nikolaj Mladenow und dem früheren britischen Premierminister Tony Blair zunächst nach Israel und anschließend nach Kairo, um Gespräche über die Zukunft des Gazastreifens voranzubringen.

Staatliche Gasreserve rückt näher

Das Bundeswirtschaftsministerium will die geplante staatliche Gasreserve von 24 TWh zeitnah ins Kabinett bringen, wobei die Finanzierung entweder über eine Umlage für Gaskunden oder aus dem Bundeshaushalt erfolgen könnte. Hintergrund sind mit 47,3 Prozent vergleichsweise niedrige deutsche Gasspeicherstände sowie Sorgen, dass geopolitische Risiken und hohe Preise die Befüllung bis zum Winter erschweren könnten. Zugleich lehnt das Ministerium eine direkte staatliche Speicherbefüllung ab, da dies den Gasmarkt zusätzlich verknappen, Preise erhöhen und erhebliche Kosten verursachen könnte.

Polnische Opposition will Austritt aus dem EU-Emissionshandel

Der Vorsitzende der polnischen Oppositionspartei PiS, Przemysław Czarnek, kündigte einen Gesetzentwurf zum Austritt Polens aus dem EU-Emissionshandel an, nachdem der Senat zwei Referendumsanträge der Partei zur EU-Klimapolitik abgelehnt hatte, zuletzt vergangene Woche. Der Entwurf soll zwei polnische Gesetze zur ETS-Umsetzung aufheben und stützt sich auf ein Urteil des polnischen Verfassungsgerichts von 2025, wonach die EU-Entscheidung von 2015 mangels Einstimmigkeit im Rat kompetenzüberschreitend gewesen sei. Die von Ministerpräsident Donald Tusk geführte Regierung steht dem ETS weiterhin unterstützend gegenüber und hatte die Legitimität des Verfassungsgerichts im Vorjahr nicht anerkannt, Polen erzeugt gut die Hälfte seines Stroms aus Kohle.

Fazit

Die fundamentale Ausgangslage bleibt festgefahren, an der grundsätzlichen Einschätzung der vergangenen Tage ändert sich wenig. Die Situation in Nahost bleibt verhärtet, die erneuten Angriffe auf die Adnoc-Tanker sowie Hegseths Ankündigung einer zeitlich unbegrenzten Blockade zeigen, dass eine Exit-Strategie weiterhin nicht in Sicht ist. Verstärkt wird das Bild durch die anhaltende Hitzewelle: Neben der französischen Kernkraft gerät zunehmend auch Osteuropa unter Druck, wo der niedrige Donau-Pegel bereits Ungarns und Rumäniens Kernkraftwerke eingeschränkt hat. Auch der Rhein bleibt angespannt. Zwar zeigt beispielsweise Ras Laffan Aktivitäten, ohne eine freie Hormus-Durchfahrt wird sich die Angebotslage aber nicht verändern und die europäischen Gasspeicher sind vor dem Winter weiterhin deutlich zu gering gefüllt. Bleibt der Status quo auch über den Winter erhalten, bestehen hohe Aufwärtsrisiken, kommt zu dem eingeschränkten Angebot und dem hohen europäischen LNG-Bedarf noch eine Kältewelle oder Windflaute hinzu, würde dies den Preisen zusätzlichen Aufwind geben. Wir werten die Gesamtgemengelage daher weiterhin bullish ein.

Hedging View

TTF Gas Cal 27: Die Energiemärkte haben sich nach der Montagsrally im weiteren Wochenverlauf vergleichsweise ruhig verhalten und warten auf neue Signale. Fundamental bleibt die Lage aber angespannt und auch geopolitisch sind keine Verhandlungsfortschritte in Sicht. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte nun, die US-Marine könne die Blockade iranischer Häfen zeitlich unbegrenzt aufrechterhalten. Bleibt der Status quo jedoch auch über den Winter erhalten, bestehen hohe Aufwärtsrisiken. Mögliche Preisrücksetzer bleiben daher eine sinnvolle Gelegenheit für Absicherungen. Das neue Verlaufstief bei 38,58 Euro/MWh bietet sich für Hedging-Aktivitäten an. Sollte der Verkaufsdruck im Zuge einer tatsächlichen Einigung nochmals zunehmen, rücken zudem die Tiefs aus Mai (35,51 Euro/MWh) und Juni (33,66 Euro/MWh) als weitere Absicherungsniveaus in den Blick.

Strom Cal 27 Base: Nach der Montagsrally konsolidiert das Strom Frontjahr Base im weiteren Wochenverlauf innerhalb der Handelsspanne von Dienstag, mit den Grenzen bei 106,87 Euro/MWh auf der Ober- und 104,35 Euro/MWh auf der Unterseite. Ein Ausbruch aus der Range gibt die weitere Richtung vor, fundamental bleibt das Bild aber unverändert angespannt. Die Hitzewelle bleibt ein stützender Faktor: Neben der französischen Kernkraft gerät zunehmend auch Osteuropa unter Druck, wo der niedrige Donau-Pegel bereits Ungarns und Rumäniens Kernkraftwerke eingeschränkt hat. Auch der Rhein bleibt angespannt. Die weitere Entwicklung in Nahost und die Reaktion der Gaspreise bleiben zudem beim Strommarkt richtungsweisend. Die EUAs konsolidieren seit Dienstag ebenfalls, verbleiben aber im intakten Aufwärtstrendkanal. Insofern besteht in Summe weiterhin hohes Aufwärtsrisiko, der kurzfristige Abwärtstrend bleibt aber intakt, solange das letzte Verlaufshoch bei 107,63 Euro/MWh nicht überwunden wird. Kommt es nach den starken Anstiegen zu weiteren Gewinnmitnahmen, bieten sich die Preisrücksetzer für Hedging-Aktivitäten an. Eine enge Grenze wäre die Polaritätswechselzone bei 102,80 Euro/MWh. Darunter stellt das Verlaufstief bei 98,7 Euro/MWh einen möglichen Auffangbereich dar.

EUA-Dez-26-Future: Die EUAs können sich in den letzten Tagen nicht mehr wirklich von der Stelle bewegen. Allerdings bleibt der EUA Dezember Future weiterhin in seinem seit Anfang April intakten mittelfristigen Aufwärtstrendkanal. Insofern bieten sich Preisrücksetzer weiterhin für Absicherungen an. Dafür bietet sich der Bereich aus der Unterkante des Kanals, dem Verlaufstief bei 80,54 Euro/t CO2 sowie der psychologischen 80-Euro-Marke an. Darunter stellt das Mehrfachtief bei 78,31 Euro/t CO2 mit der 200-Tage-Linie bei aktuell 78,52 Euro/t CO2 einen weiteren Auffangbereich dar. Fundamental stehen die CO2-Zertifikate weiterhin zwischen den Entwicklungen an den Finanzmärkten und dem Gasmarkt, welche sich abhängig von der Nachrichtenlage in Nahost bewegen. Stützend wirkt zudem die aktuelle Hitzewelle, welche den Einsatz der fossilen Kraftwerke erhöht. Neben der französischen Kernkraft gerät zunehmend auch Osteuropa unter Druck, wo der niedrige Donau-Pegel bereits Ungarns und Rumäniens Kernkraftwerke eingeschränkt hat.

Markteinschätzung
Strom Frontjahr Base
TTF Gas Frontjahr
EUA-Dez. Kontrakt
API#2 Kohle Frontjahr
Brent Crude Frontmonat
Wetterdaten von Energy Weather

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01. Oktober 2026 in Wuppertal

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Herausgeber:
EnerChase GmbH & Co. KG, (im Folgenden "enerchase"),
Sitz:
Willich, eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Krefeld unter HRB 13893 diese vertreten durch die Geschäftsführer Stefan Küster und Dennis Warschewitz.
Autoren: Dennis Warschewitz, Stefan Küster, Tobias Waniek
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